Nach Monza holte sich Fernando Alonso in einem überragenden Rennen den vierten Sieg der Saison und den Zweiten in Folge. In der Meisterschaft holt somit der Spanier mächtig auf Mark Webber auf, der als Dritter ins Ziel kam, hinter Teamkollegen Sebastian Vettel. Lewis Hamilton fiel wieder aus und tobte; Jenson Button blieb ein Podiumsplätzen knapp verwehrt, aber er blieb ruhig, und am Ende stehen wir dort, wo wir am Angang waren: Es können immer noch fünft Fahrer Weltmeister werden. Na, wer hätte das im März gedacht?
Oh, was hatten wir denn nicht alles in dem GP von Singapur gehabt. Das Wichtigste gleich vorneweg: keine Skandale davor, während und danach, keine Stahlregie-Dings-Bums und keine Gates weswegen auch immer. Aaaah, wir können aufatmen.
Was habe ich vor zwei Wochen gesagt? Nur ein Wort war das: Nachtrennen. Bei diesem Wort ist schon Spannung vorgeschrieben und so war es auch. Singapur hat nicht enttäuscht. Es gab so Einiges, was uns während der zwei Stunden wach hielt: Zwei Safety-Car-Phasen, neun Ausfälle, zahllose Überholversuche und Überholmanöver; einige davon waren erfolgreich, einige endeten neben der Strecke/an der Wand/im Heck des Gegenfahrers/irgendwo dazwischen. Und die ganze Veranstaltung endete buchstäblich feuerlich. Dazu später noch mehr.
Einer der ganz cool blieb und das rote Ding (auch bekannt als Ferrari F10) war Fernando Alonso, der souverän vom Start bis zum Ende sicher nach Hause fuhr. Er dominierte das Rennen in jeder Runde, machte keine Fehler, ließ sich nicht unter Druck setzen und hat deshalb verdient gewonnen. Sebastian Vettel hing ihm am Heck, konnte sich aber nicht durchsetzet. Der alte Fuchs hat es drauf, gell Seb? Mark Webber müsste mit seinem dritten Platz eigentlich zufrieden sein (startete von P6), war er aber nicht, was dieses Bild beweist.
Spricht Bände.
Das Qualifying
Fernando Alonso sicherte sich die 20 Pole in Straßenkurs von Singapur, wo er vor zwei Jahre den wohl strittigsten Sieg seiner Karriere einfuhr, als Renault den Nelson Piquet Jr damit „beauftragte“, das Auto gegen die Wand zu fahren. Das verursachte eine Safety-Car-Phase, Fernando war im Vorteil, weil er gerade davor in der Box gewesen ist und der Rest ist Gesichte. Fernando sagt, dass er nichts von der Verschwörung wusste, aber er weiß auch, was die Leute denken. Und er wird davon nicht so schnell – wenn überhaupt – weglaufen können. Deshalb war das vergangene Rennen in Singapur für den Spanier sogar wichtiger als vielleicht ein Heimrennen oder das GP von Monza. Mit einem perfekten Wochenende könnte es das Geschehene zumindest ein wenig in den Hintergrund drängen, und er ging in seinem Plan konsequent vor; er fing mit dem perfektesten aller Startplätze (so wichtig in Singapur) an: mit der Pole Position.
Nachdem Sebastian Vettel die Freien Trainings im nächtlichen Singapur dominierte, war es Fernando Alonso, der im Qualifying mit einer Zeit von 1:45.390 Minuten auf die Pole Position fuhr. Neben ihm startete Sebastian Vettel aus der ersten Reihe. Lewis Hamilton scheiterte als Dritter am Sprung in Reihe 1. Er ging gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jenson Button aus Reihe 2 ins Rennen. WM-Spitzenreiter Mark Webber erreichte nur Platz 5. Die Top-10 komplettieren Rubens Barrichello, Nico Rosberg und Robert Kubica. Michael Schumacher auf Startplatz neun und Kamui Kobayashi. Gleich dahinter, auf dem bis jetzt besten Startplatz Karriere, reihte sich Jaime Alquersuari ein, vor Vitaly Petrov, Teamkollegen Sebastien Buemi und dem Rückkehrer Nick Heidfeld. Die beiden Force Indias mit Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi starteten von Plätzen 15 und 16.
Katastrophal begann das Qualifying für Felipe Massa. Der Ferrari-Pilot blieb nach 10 Minuten im Q1 mit einem Elektrikproblem stehen und musste ohne eine Zeit gesetzt zu haben aussteigen. Die Folge: Massa startete am Sonntag vom letzten Startplatz.
Zusammen mit dem Ferrari-Piloten schieden die üblichen Verdächtigen der drei neuen Teams aus. Der Schnellste aus dem Neulings-Sextett war Timo Glock im Virgin. Dem Deutschen liegt die Strecke in Singapur. Dort fuhr er im Vorjahr für Toyota sogar aufs Podest. Diesmal ließ er als 18 - hinter Nico Hülkenberg im Williams - immerhin Heikki Kovalainen, Lucas di Grassi und Jarno Trulli hinter sich. Der zweite Rückkehrer Christian Klien schlug Bruno Senna bei HRT.
Und so wurden die Plätze für ein spannendes Rennen vollgesetzt. Oder auch nicht. Das wussten wir am Samstag noch nicht. Man weiß ja nie, was in Singapur passieren kann; wo und wie einer in die Wand ballern kann. Solche Sachen könne das Renngeschehen total verändern, wie wir und an 2008 erinnern.
Das Rennen
Nach 61 teilweise sehr spannenden Runden oder 1:57:53.579 Stunden überquerte Alonso als Sieger die Ziellinie, genau 293 Tausendstelsekunden vor Vettel, der sich nach einem nur bis zum Qualifying dominanten Wochenende darüber ärgern musste, sieben Punkte liegen gelassen zu haben. Aber der Deutsche versicherte seiner Crew nach der Zieldurchfahrt: "Macht euch keine Sorgen, die kriegen wir schon noch!" Bis Du dir da so sicher, jetzt, wo der Druck noch größer ist?
Die Entscheidung im einsamen Duell zwischen Alonso und Vettel fiel wohl schon gestern: "Die perfekte Runde von Fernando im Qualifying war entscheidend", gestand Ferrari-Chefrenningenieur Chris Dyer.
Aber Alonso hatte dennoch keinen leichten Arbeitstag: "Der Start war sehr gut", berichtete der Ferrari-Pilot. "Mit den Safety-Cars und den Überrundungen am Ende sowie der gelben Flagge auf der Zielgeraden war es schwierig, den Abstand zu kontrollieren. Ich habe versucht, mich so gut es geht auf Sebastian zu konzentrieren, ohne etwas zu riskieren."
Denn in der letzten Runde wurde es doch noch einmal spannend: Nach einer Kollision zwischen Heikki Kovalainen (Lotus) und Sébastien Buemi (Toro Rosso) rollte Kovalainen mit Feuer im Heck aus, bog aber nicht an die Box ab, sondern blieb bei Start und Ziel stehen. Der Finne nahm selbst einen Feuerlöscher in die Hand und verursachte eine riesige Rauchwolke sowie gelbe Flaggen, durch die Vettel noch einmal aufschließen konnte.
Aber Alonso behielt kühlen Kopf, baute den Vorsprung zu Beginn der letzten Runde wieder auf ein paar Fahrzeuglängen aus, hatte dann Glück, dass Vitaly Petrov (Renault) beim Überrunden mitspielte - und war damit dann auch auf der sicheren Seite. Denn ein Überholmanöver im letzten Sektor wäre wegen der gelben Flaggen regelwidrig gewesen, sodass der Weltmeister von 2005 und 2006 nur noch locker über die Ziellinie fahren musste.
Was sich gestern hinter den beiden Dominatoren der Nacht von Singapur abspielte, hatte mit der Vergabe um den Sieg nichts zu tun. Schon am Start ging es zwischen Alonso und Vettel heiß her, während dahinter Lewis Hamilton nur deswegen vor Jenson Button (McLaren) blieb, weil er vor der ersten Kurve deutlich später bremste. Dahinter war Mark Webber (Red Bull) sicher auf Platz fünf.
Gleich am Ende der ersten Runde kam dann Felipe Massa (Ferrari) an die Box - und zwar planmäßig, in der Hoffnung auf eine frühe Safety-Car-Phase. Diesen Wunsch sollte der Formel-1-Gott tatsächlich erfüllen: Nach einem Scharmützel zwischen Vitantonio Liuzzi (Force India) und Nick Heidfeld (Sauber), das Liuzzi das Rennen und Heidfeld den Frontflügel kostete, schickte die Rennleitung Bernd Mayländer im neuerdings von einer Versicherung gesponserten Safety-Car auf die Strecke.
Die Top 4 blieben auf der Strecke, Webbers Renningenieur Ciaran Pilbeam empfahl seinem Schützling jedoch, an die Box zu kommen und einen ähnlichen Poker wie Massa zu riskieren: "Das kann jetzt ein paar Runden lang frustrierend werden, Mark, aber es kann sich lohnen!" Und tatsächlich hatte der Red-Bull-Pilot seine Zweifel, als er als Elfter hinter Timo Glock (Virgin) auf die Strecke zurückkam und seine vier WM-Gegner nur noch in der Ferne sah.
"Ich habe das Team anfangs kritisch hinterfragt, aber dann sah ich ein, dass es richtig ist. Ich habe ein paar Jungs überholt und stand erst hinter Rubens an", so Webber. Mit "ein paar Jungs" meint er konkret: Glock, Kamui Kobayashi (Sauber) und Michael Schumacher (Mercedes). Anschließend schonte er seine Reifen - und profitierte von der strategischen Fehlentscheidung des McLaren-Teams, Hamilton/Button mit abbauenden Pneus draußen zu lassen.
Denn als die beiden an die Box kommen mussten, fielen sie hinter Webber zurück, der damit plötzlich an dritter Stelle lag. Doch Hamilton gab sich nicht geschlagen und wollte beim zweiten Restart in Runde 36 den Vorteil der frischeren Slicks nutzen, setzte sich am Raffles-Boulevard neben den Red Bull, probierte es in der folgenden Linkskurve außen - und zog etwas zu früh nach innen, sodass es zur Kollision kam. Webber konnte weiterfahren, Hamilton blieb entnervt stehen.
Webber hatte von da an leichtes Spiel, weitere 15 Punkte mit nach Hause zu nehmen und die WM-Führung sogar auf elf Zähler vor Alonso auszubauen. Nico Rosberg (Mercedes), völlig von den TV-Kameras unbeobachtet, erreichte heute sein Ziel, im Rennen an Rubens Barrichello (Williams) vorbeizugehen, und wurde mit 49,3 Sekunden Rückstand auf Sieger Alonso Fünfter. Der wahrscheinlich auffälligste Fahrer der Schlussphase war jedoch Robert Kubica (Renault), der erst mit Reifenschaden rechts hinten ein zweites Mal an die Box kommen musste, dann aber vom zwölften Platz aus eine furiose Aufholjagd startete.
Mit dem Vorteil der neuen Reifen schnupfte der Pole der Reihe nach Buemi, seinen Teamkollegen Petrov, Massa, Nico Hülkenberg (Williams) und Adrian Sutil (Force India), was am Ende den siebten Platz für ihn bedeutete - und dass man sogar in Singapur überholen kann, bewies er am besten, als er ausgerechnet auf der engen Anderson-Bridge Petrov stehen ließ, auch wenn der sich naturgemäß nicht mit Händen und Füßen wehrte.
Hinter Sutil und Hülkenberg staubte Massa dank seiner unkonventionellen Strategie den letzten Punkt ab. Insgesamt kamen 16 Autos in die Wertung, darunter auch Mercedes-Superstar Michael Schumacher als 13.
Auch nach einer innerdeutschen Kollision: In der 37. Runde geriet er in der Webber/Hamilton-Kurve ausgerechnet mit seinem Ex-Teamkollegen Heidfeld aneinander, für den der chaotische Comeback-Grand-Prix damit beendet war. Bereits davor hatte sich Schumacher ein handfestes Gerangel mit Heidfelds Teamkollege Kobayashi geliefert, holte sich nach diesen Berührungen einen neuen Frontflügel ab und spielte danach keine Rolle mehr. Spielte es in dieser Saison überhaupt einer Rolle? Für Heikko Wasser vielleicht.
Für die zweite Safety-Car-Phase zwischen der 32. und 36. Runde konnte Schumacher nur bedingt etwas: Kobayashi krachte kurz nach der Berührung mit dem Mercedes in der Unterführung bei der Zuschauertribüne gegen die Mauer - und Bruno Senna (HRT) konnte nicht mehr ausweichen. Apropos HRT: Christian Klien lag bei seinem Comeback stets einige Sekunden vor Senna, musste aber während der Safety-Car-Phase mit technischem Defekt an der Box abstellen.
Glückwunsch an den zweiten Spanier im Feld, Jaime Alquersuari, für den das Rennen schon am Anfang gelaufen schien, weil er aus der Box starten musste. Aber die Hartnäckigkeit und Kampfgeist zahlten sich aus. Jaime gab nicht auf und fuhr den 12. Platz ein, vor seinem Teamkollegen Sebastien Buemi.
Nach dem Rennen wurden noch zwei 20-Sekunden-Strafen verteilt: an Adrian Sutil? (*) für das Durchschneiden einer Schikane in der ersten Runde, und an Nico Hülkenberg (**) der sich laut Force India einen Vorteil in der ersten Runde verschaffen sollte. Sutil wurde Neunter und Hulk Zehnter.
Der Sieger
Ich könnte hier eigentlich eine Lobeshymne an Fernando Alonso verfassen. Warum auch nicht? Er hat ein perfektes, fehlerfreies und starkes Rennen hingelegt. Nach einem perfekten Qualifying. Alonso blieb alle 61 Runden cool. Vom Start an dominierte er das Feld, lies sich auch nicht durch die Safety-Car-Phasen und die Re-Starts aus der Ruhe bringen. Auch Vettels Atem in dem Rücken ließ Fernando kalt. Eine schnellste Runde gab es noch oben drauf. Ein Hattrick. Oh … *schmatzt*
Ein perfektes Wochenende für ihn und für die Fans. Kurzum: Fantastik Fernando hat seinen Kritikern ordentlich einen unter die Nase gerieben, und wenn Niki Lauda die Kappe zieht, dann ist es die beste Bestätigung einer überragender Leistung, die es gibt. Außer einem Sieg natürlich. :-9 Der Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali meinte: „Fernando war heute fantastisch.“ Psst! Stefano! Fernando ist immer fantastisch. Schon nur deswegen, weil er Fenando ist. *grins* Und diesmal kann ihm keiner vorwerfen, dass er es nicht verdient oder geschummelt hat. Das tut der spanischen Seele bestimmt gut. Über diesen Pokal darf es sich jetzt so richtig freuen, mit allem Drum und Dran.
Aus der deutschen Sicht war es ein gutes Rennen. Platz 3 für Vettel und es ist alles noch offen. Nico Rosberg auf tollen fünften Platz. Der Rest der deutschen Truppe belegt die Plätze: 9 (Sutil)*, 10 (Hülkenberg)** und 13 (Schumacher). Ganz in Ordnung.
Und aus meiner Sicht: FORMIDABLE!!!! Ein Hattrick!! Besser konnte es nicht laufen. Bin noch stolzer auf meinen Fernandoooooooo, als ich es vor zwei Wochen schon war. Wenn es überhaupt noch geht? Ja, es geht. :-9
In der Fahrer-WM führt immer noch Mark Webber (202) nach fünfzehn von 19 Rennen mit nur elf Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der stark aufgeholt hat. Ebenfalls noch Titelchancen haben Hamilton (182), Vettel (181) und Button (177). Da darf jetzt aber kein Fehler passieren, denn Anderfalls … Titel ade! Massa ist Sechster (124) gefolgt von und Nico Rosberg (122) und Robert Kubica (114). Die beiden letzten Top-Ten-Plätze teilen sich Michael Schumacher und Adrian Sutil (beide 46 Punkte).
Bei den Konstrukteuren führt Red Bull (383) vor McLaren (359), Ferrari (329) und Mercedes (168).
Uns bleiben nur noch vier Rennen. Die Formel 1 bleibt jetzt in Asien und in zwei Wochen sehen wir uns wieder in Japan. Es wird immer spannender und der Druck steigt. Jetzt zählt jeder Fehler doppelt. Wer kann damit am besten umgehen? In zwei Wochen wissen wir mehr. Adios!