Fernando Alonso gewinnt vor Felipe Massa ein ziemlich lahmes Rennen in Hockenheim. Sebastian Vettel endet als Dritter und ausnahmsweise sind es nicht die Red Bulls, die für Schlagzeilen sorgen.
Der erste rote Doppelsieg seit Manama. Unter normalen Umständen wäre die Freude groß, aber nach dem Puppenspiel (sehr schlechten noch dazu) blieb einfach nur ein ziemlich übler Beigeschmack. In der 48. Runde funkte Renningenieur Rob Smedley ins Cockpit von Felipe Massa: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Botschaft verstanden hast?" Nur eine Runde später der Führungswechsel: Massa ging ausgangs der Haarnadelkurve demonstrativ vom Gas und ließ seinen Teamkollegen überholen! Dass das keine freiwillige Aktion war, beweist der Boxenfunk, denn Smedley meldete sich nach Vollzug noch einmal bei seinem Schützling: "Sorry, Felipe!"
„Dazu muss man nichts mehr sagen“, sagte Felipe in der Pressekonferenz. Passender geht es nicht.
Die Qualifikation
Mit zwei Tausendsteln Vorsprung auf Fernando Alonso holte sich Sebastian Vettel bei seinem Heimspiel in Hockenheim die Pole Position. Hinter Vettel und Alonso starteten Felipe Massa und Mark Webber. McLaren besetzte die dritte Reihe für sich: Jenson Button startete von Platz 5 vor Lewis Hamilton. Robert Kubica, Rubens Barrichello, Nico Rosberg und Nico Hülkenberg komplettieren die Top-10. Der zweite Renault gefahren von Vitaly Petrov endete auf P13.
Den größten Knall des Qualifyings setzte Tonio Liuzzi (Adrian Sutils Stellvertreter, wenn es um Unfälle geht) bereits in den Anfangsminuten des Q1: Der Italiener kam in der Zielkurve auf den Kerb und den noch nassen Kunstrasen dahinter, drehte sich und schlug in der Boxenmauer ein. Liuzzi blieb unverletzt, sein Auto wurde hinten rechts schwer beschädigt.
Neben Liuzzi schieden die sechs Piloten der drei neuen Teams aus. Den Dreikampf gewann erneut Lotus mit Jarno Trulli vor Heikki Kovalainen. Virgin hatte technische Probleme: Lucas di Grassi konnte wegen eines Getriebeproblems überhaupt nicht fahren, Timo Glock behinderten Bremsprobleme. Zudem verlieren Glock und Adrian Sutil fünf Startplätze wegen eines Getriebewechsels.
Auch nicht ganz so zufriedenstellend war die Leistung der beiden Toro Rossos. Jaime Alguersuari kam über den Platz 16 nicht hinaus; sein Stallgefährte Sebastien Buemi endete gleich dahinter auf der Position 17. Hispania Racing Team (HRT) hatte auch keinen Anlass zur Freude: wie üblich bereits in Q3 ausgeschieden: Nur die Plätze 21 (Bruno Senna) und 23 (Sakon Yamamoto) waren drin.
Karun Chandhok konnte sich das Rennen zu Hause anschauen. Kurz nach dem Rennen in Silverstone gab das HRT-Team bekannt, das Sakon Yamamoto den Inder in Hockenheim ersetzen wird.
Sein Landsmann Kamui Kobayashi endete erneut vor seinem Teamkollegen Pedro de la Rosa (P12 und P15).
Das Rennen
Nach dem spannenden Rennen in Silverstone wurde uns Zuschauern wieder ein ziemlich … lauwarmes Rennen aufgetischt. Nun, zumindest die Amateure haben uns nicht enttäuscht und die Welt schien wieder in Ordnung zu rücken, als Adrian Sutil seine Dreh- und Crashkünste vorführte. Endlich mal wieder. Ich habe mir schon sorgen um den Jungen gemacht. So konnte es doch nicht weiter gehen … Aber gestern drehte sich Adrian wie eine Primaballerina und fuhr sogar ein paar Teile seines Force India ab. Stein vom Herzen. Und Platz 17 für Adrian. Geht doch!

Ein Überholmanöver da, eins dort. In ziemlich großen Abständen. Und das war es auch wieder, aber … Bis zur 48. Runde konnte sich der Zuschauer auch beim besten Willen nicht aufregen. Aber dann hat Ferrari etwas sehr Dummes gemacht und die gute Stimmung war wieder im Eimer. Was, um Himmels Willen, haben die Roten sich bloß dabei gedacht? Dummer und offensichtlicher ging es nicht mehr. Felipe Massa ließ den um paar Sekündchen schnelleren Alonso überholen. Felipes schnellste Runde betrug 1m17.166s. Fernandos Alonso’s 1m17.012s. So groß war der Unterschied auch nicht, deshalb verstehe ich nicht, warum sich der Spanier paar Runden zuvor so aufregte („Das ist lächerlich!“) und unbedingt vorbeigelassen werden wollte. Na gut, viele Fahrer machen das, wenn sie spüren, dass sie schneller als der vor ihnen fahren könnten. Musste es dann aber so blöd gemacht werden? So offensichtlich? Es war doch genug Zeit da, um sich etwas Schlaueres einfallen zu lassen. Eine Blamage für Ferrari. Eine Blamage für die Fahrer, die sich in der darauffolgenden Pressekonferenz mega-blöd anstellten. Als wäre es noch nicht peinlich genug … Eine Blamage für den Sport.

Und eine Blamage für Christian Horner. Jaha! Ausgerechnet er hat sich nach dem Rennen am meisten aufgeregt. Hallo? Und sonst geht es Ihnen gut, Mister Horner? Nach den Vorfällen in der Türkei und der Flügel-Gate in Silverstone würde ich für den Rest der Saison keine Meinung von mir geben und einfach still in der Ecke meine Klappe halten. Eigentlich müsste man sich fragen, warum die Journalisten vor Ort. Christian Horner überhaupt um seine Meinung gefragt haben? Er kann die Situation im eigenen Team nicht richtig einschätzen. Warum sollte er dann die anderen beurteilen? Schwachsinn …
Niki Lauda (auf den guten Niki ist immer Verlass) sagte laut, was jeder von uns dachte: "Ich verstehe nicht warum Alonso (in der Pressekonferenz) so einen Blödsinn erzählt und meint er weiß von nichts. Die glauben ja wirklich alle wir sind blöd. Zuerst entschuldigen sie sich sogar beim Fahrer (Felipe Massa) und sich danach zurückzuziehen wie der Fernando (Alonso) ist das Unglaublichste in der Formel 1, was bis heute passiert ist."
100.000 Dollar Strafe müsste genügen, um die Roten aus Maranello eine Lehre zu geben, aber es sind Italiener und bei denen weiß der Geier …
Kein gutes Rennen für Sebastian Vettel, der wieder sein Start versaute und die Pole Position nicht ausnutzen konnte. Die Starts müsste er mal wirklich üben, der Gute. Zumindest hat er danach keine Schnute gezogen und lachte sogar. Na, wenn er selber zufrieden ist, dann juckt es uns auch nicht.
Hinter den Top 3 war Hockenheim 2010 nicht allzu aufregend. Lewis Hamilton (McLaren) ging bereits in der ersten Runde dank des besseren Topspeeds an Mark Webber (Red Bull) vorbei, dahinter reihte sich zunächst Jenson Button (McLaren) ein. Auch Michael Schumacher (Mercedes) machte Positionen gut und war vor Stallgefährte Nico Rosberg Achter, während beide Williams-Piloten aus den Punkterängen zurückfielen.
Das Sauber-Team hatte Pedro de la Rosa lange an siebter Stelle im Rennen, lag aber trotzdem nie auf Punktekurs, denn der Spanier wurde nur nach vorne gespült, weil er den Boxenstopp lange hinauszögerte. Seine beste Leistung waren zwei Überholmanöver gegen Nico Hülkenberg (Williams/13.), der seinerseits 0,6 Sekunden hinter Teamkollege Rubens Barrichello abgewunken wurde. Kamui Kobayashi hat erneut überzeugt und aber knapp die Punkte verpasst (P11).
Insgesamt sahen 19 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Für Toro Rosso war das Rennen schon am Start vorbei, als Jaime Alguersuari (15.) Sébastien Buemi beim Anbremsen der Haarnadelkurve anschob und den Heckflügel wegrasierte. Timo Glock (Virgin) wurde als schlechtester Deutscher 18.
Nicht beendet habe das Rennen fünf Fahrer: H.Kovalainen und Jarno Trulli (beide Lotus) musste ihrer Boliden frühzeitig abstellen, ebenfalls L. di Grassi (Virgin Racing) und Sakon Yamamoto (HRT). Bruno Senna endete als Letzter (19.) und Sebastien Buemi fuhr wegen eines Unfalls nur eine (wow) ganze Runde.
Der Sieger
Ja. Was soll man den dazu Großartiges sagen? Fernando Alonso hat das Hockenheim GP zwar gewonnen, aber ob er selber damit zufrieden ist? Das Grinsen in die Kameras wirkte nicht besonders überzeugend. Ich bin mir sicher, dass er auf dieser Art nicht gewinnen wollte.
Mehr gibt es dazu wirklich nicht zu sagen.
Aus deutscher Sicht war es ein ziemlich gutes Rennen. Sebastian Vettel endete auf dem Podium und hat jetzt 136 Punkte auf dem WM-Konto. Zusammen mit Teamkollegen Mark Webber. Die anderen Deutschen haben sich auch gut angestellt. Nur Timo Glock hatte ziemlich viel Pech.
Und aus meiner Sicht: Pfffffffff…. Was soll ich denn dazu Großartiges sagen? Ich würde mich gerne für Alonso freuen, denn die Durststrecken war lange genug und siegen sollte er eigentlich im jedem Rennen. Aber so? Naaaa … das war nicht schön und freuen konnte ich mich nicht. Dazu noch diese blöde ausreden … Ich kann es zwar teilweise verstehen, was sollte er denn sagen? Ich würde wahrscheinlich auch etwas Derartiges schwafeln. Ach … es war einfach nicht schön, so wie es war. Über den zweiten Platz hätte ich mich mehr gefreut.
In der Fahrer-WM führt Hamilton (157) nach elf von 19 Rennen mit 14 Punkten Vorsprung auf Button. Ebenfalls noch Titelchancen haben Webber, Vettel (je 136) und Alonso (123); Schumacher (38) ist Neunter. Die Top-Ten rundet kein anderer als Adrian Sutil ab (35).
Bei den Konstrukteuren führt weiterhin McLaren (300) vor Red Bull (272), Ferrari (208) und Mercedes (132).
Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring in Budapest.