Wegen meines Einsatzes bei der DTM-Präsentation in Wiesbaden konnte ich mir das Formel-1-Rennen in China leider nicht in voller Länge anschauen. Deshalb folgt diesmal nur eine Zusammenfassung anhand der gesehenen High-Lights.
Isländische Vulkane sorgen seit Tagen für Chaos auf der Welt und der chinesische Regen sorgte am Sonntag für Chaos an der Formel 1 Rennstrecke in Shanghai. Über Langeweile konnte sich, nicht mal beim besten Willen, keiner beschweren.

Das Qualifying
Red Bull dominierte das Qualifying in der Formel 1: Viertes Qualifying, vierte Pole Position für das Team. Zum dritten Mal startete Sebastian Vettel vom ersten Startplatz. Zusammen mit ihm ging sein Teamkollege Mark Webber aus der ersten Reihe in den vierten Grand Prix des Jahres. Fernando Alonso war mit Platz 3 zufrieden. Neben Alonso startete Nico Rosberg vor den beiden McLaren von Jenson Button und Lewis Hamilton. Felipe Massa und Robert Kubica standen in Reihe vier. Michael Schumacher und Adrian Sutil direkt dahinter auf den Startplätzen 9 und 10.
Das Rennen
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo es Taifun-artige Regenfälle gab, hat es diesmal nur gerieselt, dafür aber ununterbrochen. Aber schon das bisschen Wasser hat für ordentlich Chaos und Spannung auf der Strecke gesorgt. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass es das beste Rennen der bisherigen Saison war. Das Wetter hat mitgeholfen, aber es findet nun mal draußen statt. Was es nicht alles gab: unzählige Überholmanöver, Duelle, Boxenstopps jeglicher Art und am Ende einen großen Verlierer (Sebastian Vettel), eine Podium-Überraschung (erneut Nico Rosberg) und einen Sieger, der sich am schönsten freuen kann (Jenson Button).

Bereits nach dem Start hat es gekracht (nein, nicht Adrian Sutil) - Tonio Liuzzi verlor die Kontrolle über seinen Force India beim Anbremsen und krachte seitlich in Kamui Kobayashi und Sebastien Buemi.
Um all die Überholmanöver einzeln zu beschreiben und analysieren, würde mir der Tag nicht reichen, denn es gab sie nicht nur auf der Strecke, sondern auch (oh, ja) in der Boxengasse. Und dort ging es ordentlich zu, mein Lieber! Alonso vs. Massa, Hamilton mit Hara-Kiri Aktionen die (wenn es schlecht liefe) für ein richtiges Mega-Chaos und gar Rennunterbrechung sorgen könnten: In letzter Sekunde übernahm Lewis die Kontrolle über seinen Boliden und verhinderte einen Crash mit einem Toro Rosso, der einen Stop machte. Auf der Strecke fuhr Lewis, muss man zugeben, ein beeindruckendes Rennen. Drei Runden lang duellierte er sich mit Michael Schumacher und es waren wirklich sehr schöne drei Runden. Ein Duell mit dem Deutschen blieb bis 2010 dem Britten verwehrt und man könnte meinen, dass er dies am Sonntag nachholen wollte. Schumacher einerseits zeigte seine Klasse und fuhr ein echtes Vintage-Rennen, wie aus den alten echten Racing-Zeiten. Dennoch, gegen den McLaren-Piloten konnte er sich nicht behaupten. 1-0 für die Jugend. Aber Respekt für den Altmeister.
Was die Boxenstopps angeht, gab es die in China (oh, Ironie), wie am Fließband. Einer nach dem anderen kamen sie rein, um entweder die Trocken- oder die Regenreifen zu holen. So viel Rennverkehr in der Boxengasse gab es schon lange nicht mehr. Und wenn es keine Boxenstopps, kaputte Frontflügel oder Motorschäden gab, dann waren da noch die Drive-Through-Penaltys. Fernando Alonso absolvierte wegen seines Frühstarts brav die erste Strafe, landete danach am Ende des Feldes, kämpfte sich aber trotzdem nach vorne und fuhr die Position vier raus. Ein tolles Rennen, leider eine Position (startete von P3) und wichtige Punkte verloren.
Sein Landsmann, Jaime Alguersuari, hat beim Überrunden eines HRT Boliden den Frontflügel zerstört und verlor durch den zusätzlichen Boxenstopp seine letzten Chancen auf WM-Punkte. Am Ende war nur Platz 13 drin. Sebastian Buemi wurde bereits in der ersten Runde Opfer einer Kollision mit Kobayashi und Liuzzi. Auch der dritte Spanier Pedro de la Rosa kam nicht viel weiter: Er schied mit einem Motorproblem aus. Ebenfalls nicht ins Ziel kamen Jarno Trulli, Lucas di Grassi und Timo Glock. Heikki Kovalainen fuhr als einziger Lotus-Fahrer auf Platz vierzehn.
Kein gutes Rennen für Rubens Barrichello und Nico Hülkenberg die sich mit ihren Williams-Autos im Regen geschlagen geben mussten. Rubens endete auf Platz 12, Nico auf Platz 15.
Der größte Verlierer des Rennens, Sebastian Vettel (startete von der Pole) erlebte einen schlechten Start und fiel hinter seinen Teamkollegen Mark Webber zurück. Das sollte sich beim Einsetzen des Regens rächen: Vettel musste sich beim Reifenwechsel auf Intermediates hinter Webber anstellen und verlor wertvolle Plätze.
Im Laufe des Rennens kämpften sich beide immer wieder nach vorne und fielen danach wegen neuerlicher Reifenwechsel zurück. Bei der zweiten Safety Car Phase, die von Jaime Alguersuaris Frontflügelteilen auf der Strecke ausgelöst wurde, drängte Hamilton Webber neben die Strecke, sodass der Australier endgültig hinter Vettel lag.
Der Sieger
Jenson Button ist schon wieder ein kluges Rennen gefahren und hat wieder viel Mut und Reifen-Poker-Talent bewiesen. Langsam aber sicher mutiert der sympathische Brite zur Nummer 1 im McLaren-Team. Anscheinend füllt es sich dort wirklich wohl und das macht immerhin schon 25% des Erfolges aus. Wenn nicht mehr (Vergleich zu der Alonso/McLaren-Geschichte ist nur zu deutlich). In den vor Stolz funkelnden Augen seines Vaters konnte man nur eins sehen: Party time!

Die Schlüssel zum Erfolg waren der gute Speed des McLaren, ein Fahrfehler von Nico Rosberg, der Button in Führung brachte, und eine taktisch richtige Entscheidung, beim ersten Regen nicht auf Intermediates zu wechseln, sondern erst einmal weiter mit Trockenreifen auf der Strecke zu bleiben. Selbst eine Safety Car Phase konnte Button nicht am Sieg hindern, obwohl sie seinen Vorsprung auf den Rest des Feldes einschmolz. In den letzten vier Runden verzeichnete Button noch eine Schrecksekunde, als er einen Ausrutscher neben die Bahn zu überstehen hatte. In der Schlussphase musste sich Button mit seinem aufholenden Teamkollegen Lewis Hamilton auseinandersetzen, der jedoch keinen Angriff mehr auf seinen Landsmann startete. Zuvor war Hamilton nach einem Reifenwechselchaos mal wieder mit etlichen kompromisslosen Überholmanövern durch das Feld nach vorne gefahren. Nach dem Rennen muss sich Hamilton den Fragen der Rennkommissare stellen. Bei einem der vielen Boxenstopps (Hamilton stoppte vier Mal, Alguersuari und Hülkenberg sechs Mal, nur Button, Rosberg und Petrov kamen nur zwei Mal an die Box) fuhr er gemeinsam mit Vettel in die Boxengasseneinfahrt und aus der Boxengasse heraus. Dabei duellierten sich die beiden auf dem gesamten Weg aus der Box heraus.
Hinter Button und Hamilton belegte Nico Rosberg zum zweiten Mal in Folge einen Podestplatz. Zu Rennbeginn sammelte Rosberg sogar die ersten Führungskilometer für ein Mercedes-Werksteam seit 55 Jahren. Der Deutsche konnte gegen Rennende aber nicht mehr den Speed der McLaren mitgehen und musste beide ziehen lassen.
Hinter den drei Autos mit Mercedes-Power auf dem Podium fuhr (wie bereits erwähnt) Ferrari-Pilot Fernando Alonso auf Platz 4. Der fünfte Platz ging an Robert Kubica vor Sebastian Vettel und dem zweiten Renault von Vitaly Petrov, der sich kurz vor Schluss an Mark Webber vorbei schob. Die letzten beiden Punkteränge 9 und 10 ergatterten Felipe Massa und Michael Schumacher, der in der letzten Runde von seinem ehemaligen Ferrari-Teamkollegen überholt wurde. Schon davor zeigte Schumacher bei harten Duellen mit Hamilton, Adrian Sutil und Vitaly Petrov, dass er nichts von seiner Zweikampffähigkeit verloren hat.
Stolz auf sich können die beiden HTR-Piloten, Bruno Senna und Karun Chandhok sein: Es ist ihnen gelungen, die Autos ins Ziel zu bringen. Leider nur auf den beiden letzten Plätzen 16 und 17. Aber immerhin.
Und Adrian Sutil hat wieder keinen Mist gebaut. Na, wenn das keine guten Neuigkeiten sind …
Aus deutscher Sicht: ein gutes Rennen. Aus meiner: na ja …
In der Fahrer-WM führt jetzt Button vor Rosberg und den punktgleichen Alonso und Hamilton. Vettel liegt mit 15 Punkten Rückstand auf Platz 5. Massa fiel auf Position sechs zurück (41) vor Kubica (40) und Webber (28). Die Top-Ten runden Adrian Sutil (!) und Michael Schumacher mit jeweils 10 Punkten ab.
Die Konstrukteurswertung führt McLaren vor Ferrari und Red Bull an.
Jetzt hat die Formel 1 drei Wochen Pause. Danach ging es nach Espania. Ole! Wenn keine Vulkane mehr ausbrechen … Laut Bernie Eclestone, wird das Rennen in Barcelona definitiv stattfinden. Ich wage also zu sagen … Vamos! (?)