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Montag, 8. November 2010

GP Brasil: Und raus bist … wer?

Sebastian Vettel gewinnt vor Mark Webber und Fernando Alonso. Red Bull gewinnt die Konstrukteurs-WM, Nico Hülkenberg wird zur Überraschung des Wochenendes und Jenson Button kann sich von der Krone verabschieden, aber wer bekommt die aufgesetzt?



Die Spannung in Sao Paulo und vor dem Fernsehen war kaum zu ertragen. Schafft es Fernando Alonso vorzeitig Weltmeister zu werden? Was machen die Red Bulls? Was macht Red Bull? Wird es regnen? Was macht …? Fragen flogen nur so herum und leider gab es keine Antworten. Am Sonntagabend, rund 18:45 deutscher Zeit wurden paar von denen beantwortet. Es hat nicht geregnet, Fernando Alonso muss noch eine Woche auf den Titel warten und Red Bull hilft ihm auf dem Weg dahin mit einer Logik, die keiner versteht, nicht mal sie selbst, denke ich. Aber sie sollen ruhig so weiter machen, aus meiner Sicht ist es nur perfekt. 

Die Qualifikation
Die Red Bulls haben den ganzen Freitag und teilweise auch den Samstag dominiert, und jeder hat mit einer 1/2 Aufstellung gerechten. Aber keiner, wirklich keiner rechnete damit, was dann in der Qualifikation passiert ist: Nico Hülkenberg fuhr in seinem Williams auf die Pole. Große Augen, wo man nur hinschaute und breites Lächeln auf Nicos Gesicht. Es sei im gegönnt. 


Die Ergebnisse: 
1.       Nico Hulkenberg                                     1:14.470352
2.       Sebastian Vettel                                     1:15.519273
3.       Mark Webber                                          1:15.637284
4.       Lewis Hamilton                                       1:15.747325
5.       Fernando Alonso                                    1:15.989346
6.       Rubens Barrichello                                 1:16.203327
7.       Robert Kubica                                         1:16.552318
8.       Michael Schumacher                              1:16.925309
9.       Felipe Massa                                          1:17.1013110
10.   Vitaly Petrov                                              1:17.6563311
11.   Jenson Button                                           1:19.2882512
12.   Kamui Kobayashi                                     1:19.3852613
13.   Nico Rosberg                                           1:19.4862314
14.   Jamie Alguersuari                                    1:19.5812415
15.   Nick Heidfeld                                            1:19.8992616
16.   Tonio Liuzzi                                               1:20.3572317
17.   Timo Glock                                               1:22.1301318
18.   Jarno Trulli                                                1:22.2501419
19.   Sebastien Buemi                                     *1:19.8472420
20.   Heikki Kovalainen                                    1:22.3781421
21.   Lucas di Grassi                                        1:22.8101322
22.   Adrian Sutil                                              *1:20.8301323
23.   Christian Klien                                          1:23.0831524
24.   Bruno Senna                                             1:23.79615

*Sebastien und Adrian bekamen noch eine nachträgliche Strafe aus Korea für das unnötige Verursachen eines Unfalls. 

Das Rennen
Auf Sao Paulo ist Verlass. Wenn die Formel 1 in Brasiliens Hauptstadt gastiert, kann man sich auf Spannung und null Langeweile einstellen. Nicht nur, weil es meistens das letzte Rennen der Saison ist und meistens erst dort die Titelentscheidung fällt, aber auch deswegen, weil die Strecke einzigartig ist. Und das alles Drum und Dran. Die Stimmung, das Ambiente, die Umgebung, die Fans. Alles ist super und es gehört zu der Formel 1 genauso, wie die Formel 1 nach Sao Paulo gehört. 

Während in Südkorea der Regen für ein tolles Rennen sorgen musste (nicht die Koreaner, wie all die Blinden da draußen behaupten), war die Spannung in Sao Paulo auch im Trockenen vorhanden. 

Schnell ausgeträumt war der Traum vom ganz großen Coup für den Sensations-Polesetter Nico Hülkenberg: Der Williams-Pilot kam zwar dank eines kürzer als sonst übersetzten ersten Gangs nicht schlecht von der Linie weg, musste aber im Senna-S Vettel durchlassen und in der vierten Kurve auch Webber. Gegen den stark drückenden Alonso konnte er sich mit einer soliden Defensivleistung bis in die siebte Runde wehren.

Vettel fuhr Webber sofort um knapp drei Sekunden davon, von da an war es ein souveräner Paarlauf der beiden. Doch dann die Schrecksekunde (für Vettel) 20 Runden vor Schluss, als wegen eines Crashs von Vitantonio Liuzzi (Force India) im Senna-S das Safety-Car auf die Strecke kam. Hamilton und Jenson Button (McLaren) nutzten diese Gelegenheit, um noch einmal Reifen zu wechseln, ebenso wie Nico Rosberg (Mercedes). Doch Vettel hatte die überrundeten Hülkenberg und Robert Kubica (Renault) als Puffer zwischen sich und Webber und zog nach dem Restart in Runde 56 sofort weg. Schlussendlich fuhr er mit 4,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen über die Ziellinie.


Hamiltons Versuch, nach dem Restart mit frischen Reifen auf Alonso-Jagd zu gehen, scheiterte an den vielen überrundeten Autos, die die letzten Runden zu einem einzigen Chaos werden ließen. Der McLaren-Pilot fuhr zwar in 1:13.851 Minuten noch die schnellste Rennrunde auf dem 4,309 Kilometer langen Kurs, aber mehr als Platz vier war nicht mehr drin. Damit fehlen ihm vor Abu Dhabi 24 Punkte auf Alonso - 25 gibt es für einen Sieg.

Teamkollege Button war in der Anfangsphase der große Profiteur, als er in der elften Runde als Erster an die Box kam, sich der weichen Bridgestone-Supersofts entledigte und die schnelleren Mediums aufziehen ließ. Das spülte den nunmehr entthronten Weltmeister an mehreren Konkurrenten vorbei, auf Platz fünf war jedoch Endstation. Für Rosberg funktionierte genau die entgegengesetzte Strategie: Dank eines langen ersten Stints verbesserte er sich auf Rang sieben. Rosberg erwischte vom 13. Platz aus einen guten Start, arbeitete sich dann sukzessive nach vorne und lag schon vor der Safety-Car-Phase vor seinem Teamkollegen Michael Schumacher. Dann kam er jedoch wegen einer Panne seiner Crew in zwei Runden zweimal zum Reifenwechsel an die Box - und fiel nicht ans Ende des Feldes, sondern nur hinter Schumacher zurück, weil hinter dem Mercedes-Duo alle anderen schon überrundet waren.


Polesetter Hülkenbergs Prognose, er werde "irgendwo zwischen fünf und zehn" ins Ziel kommen, bewahrheitete sich: Platz acht. Sein Teamkollege Rubens Barrichello erlebte indes einen turbulenten Nachmittag, schlitzte sich an Jaime Alguersuari (Toro Rosso) den linken Vorderreifen auf und spielte danach für die Vergabe der WM-Punkte keine Rolle mehr. Landsmann Massa landete 0,7 Sekunden hinter ihm gar nur auf dem 15. Platz - nach zwei kleinen Rangeleien im letzten Rennabschnitt, in dem er schon das Messer zwischen den Zähnen hatte.

Nick Heidfeld (Sauber) kassierte heute wegen Ignorierens blauer Flaggen eine Durchfahrstrafe und wurde 17., während sein Stallgefährte Kamui Kobayashi als Zehnter wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holte und einen Punkt sammelte. Bester Vertreter der drei neuen Teams war im Rennen Heikki Kovalainen vor Jarno Trulli (beide Lotus) und Timo Glock (Virgin). Lokalmatador Bruno Senna (HRT) wurde 21.

Riesenpech hatte Christian Klien: Sein HRT-Dallara rollte schon beim Rausfahren aus der Box vor der Aufwärmrunde aus, wurde aber zum Glück rechtzeitig zurück zum Team gebracht, sodass der Österreicher zumindest mit drei Runden Verspätung ins Renngeschehen eingreifen konnte. Gewertet wurde er als 22. und Letzter, vor Lucas di Grassi (Virgin) und Unfallopfer Liuzzi, dem beim Abflug im Senna-S zum Glück nichts passiert ist.


Der Sieger
Da hat Sebastian Vettel wieder gelacht und mit Witzen nur so um sich hergeschmissen. Das kennt man von ihm nach einem Sieg. Gut, er ist ein gutes Rennen gefahren, ließ sich vom Druck nicht beeindrucken. Red Bull ist jetzt Konstrukteursweltmeister, aber lass uns mal ehrlich sein: wenn kümmerst? Heiko Wasser vielleicht, der gestern wieder gezeigt hat, was er nicht kann, nämlich kommentieren. Wann schnallt er es endlich … nein, wann schnallt RTL es endlich und schickt ihn in die Wüste? Werde ich diesen Tag noch erleben? Jeder intelligente und etwas von sich haltende Fan musste sich gestern wieder ordentlich fremdschämen. Nur noch ein Rennen …

Was ich sagen wollte: Was wirklich zählt, ist die Fahrer-WM und jeder weiß das, auch wenn alle sagen, dass es nicht so ist, aber es ist so. Bleibt doch mal ehrlich, Leute! Es tut nicht weh. Wäre Sebastian Vettel bei einem anderen Team, würde man den Herrstellertitel nur 2 … na, vielleicht 3 Mal hierzulande erwähnen. Wo wir wieder bei der Objektivität wären …


Aus deutscher Sicht was das ganze Wochenende perfekt. Siehe oben, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Und aus meiner Sicht war es muy, muy bien. Alonso ist ein kluges Rennen gefahren, hat das Auto sicher nach Hause gebracht und die Punkte in die Tasche gesteckt. Er sollte kühlen Kopf bewahren und das hat er auch. Aber er hat Erfahrung mit Situationen wie diese. Jetzt muss nur noch das Glück mitspielen …

Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Dämmerungs-Saisonfinale in Abu Dhabi. Vettel glaubt trotz der 15 Punkte Rückstand noch an seine Chance, aber wenn es ihn glücklich macht … 
Jenson Button kann sich jetzt endgültig von dem Titel verabschieden, er hat eine Woche Zeit, um es zu verkraften. Aber er ist ein kluger Bursche, er sah es kommen. Von daher, no worries.
Es wird eine lange Woche, voller noch mehr Fragen und Spekulationen und Stress bis an die Decke. Zumindest was mich betrifft. Aber ich kann es mir als Fan erlauben. Die Jungs, vor allem Don Alonso, müssen cool bleiben. Den dritten Weltmeistertitel hat der Asturier schon in einer Hand. Wenn er nächste Woche alle richtig macht und wenn das Glück auch noch mitspielt, kann er dann auch die zweite Hand drauflegen. 

Vamos, Alonso!!! 



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