Sebastian Vettel holt sich Pole und Sieg an einem Tag. Mark Webber komplettiert den Red-Bull-Doppel-Erfolg und Fernando Alonso wird Dritter. Kamui Kobayashi stürmte das Feld wie der Regen am Samstag es tat, und Adrian Sutil kehrte back to the roots. Hamilton? Der war wieder mit dem Pech verabredet. Bad timing, lad. Bad timing.
So wie in Singapur vor zwei Wochen alle nur über die Zeitverschiebung sprachen, war in Suzuka das Wetter in aller Munde. Und das Wetter, bzw. der Regen stahl allem die Show. Am Samstag regnete es so stark, dass die Qualifikation auf Sonntag verschoben werden musste. Für die Fahrer kein Problem. Ein paar Runden mehr oder weniger? Passt schon.
Und so wurde es ein perfekter Sonntag für Red Bull und vor allem für Sebastian Vettel, der sich an einem Tag die Pole Position und den Sieg holte: Souverän und überlegen. Das muss sogar ich ihm lassen: Der Seb fuhr ein makelloses Rennen und das in seiner eigenen Liga. Wäre Niki Lauda dort gewesen, würde er die Kappe ziehen. Aber stattdessen hat Ralf Schumacher den Niki gemacht und ja … der trägt keine Kappen. Nun, so schlecht, wie ich befürchtet hatte, war der Ralf als Experte nicht. Er gab offene, objektive und ehrliche Kommentare. Aber einmal reicht, gell? Niki, ohne Dich was es komisch! Aber zurück zum Rennen … der schönste Moment des Tages für mich? Ja, Alonsos dritter Podiumsplatz auch. Aber DER Moment war, als Adrian Sutils Hoffnungen auf irgendwelche Platzierung im Rauch aufgingen. Ich freute mich wie ein kleines Kind!
Das Qualifying
Am Samstag herrschte im Paddock das reinste Chaos. Es regnete und regnete und regnete. Mal stärker, mal wieder schwächer, aber ohne Unterbrechung. Auf der Strecke stand so viel Wasser, dass die Piloten teilweise nur ihr Auto überprüften und erst gar nicht eine gezeitete Runde absolvierten. Unter solchen Bedingungen ist an ein reguläres Qualifying nicht zu denken. Am Ende gab es lediglich zwei Piloten, die überhaupt eine Zeit auf dem Papier stehen hatten. Jaime Alguersuari im Toro Rosso war mit 1:55.902 Minuten der "Schnellste", Timo Glock im Virgin folgte mit 11,595 Sekunden Rückstand.
Die einzigen Piloten ohne Zeit mit mehr als einer Runde waren Sébastien Buemi (Toro Rosso, drei Runden), Nico Hülkenberg (Williams, zwei Runden), Jenson Button (McLaren-Mercedes, drei Runden), Robert Kubica (Renault, zwei Runden) sowie Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes, drei Runden).
Nur Bernd Mayländer in seinem Safety Car ist mehr gefahren.
Die Wartezeiten haben sich die Jungs und Mädels im Paddock auf verschiedene Weisen vertrieben. Bei Virgin Racing wurde gepokert …
… und bei Sauber gebastelt.
Am Sonntag hingegen schien die Sonne und lediglich ein paar feuchte Stellen erinnerten an den verregneten Samstag. Das Qualifying wurde jedoch zur einer sehr, sehr unmenschlichen (aus europäischer Sicht) Zeit ausgetragen und ich muss jetzt ehrlich sagen, dass ich mein gemütliches Bettchen vorgezogen habe. Sorry Jungs, ab und zu bin ich auch nur ein Mensch und so ziemlich müde.
Hier die Ergebnisse der Qualifikation:
1 | Sebastian Vettel | Red Bull | 1:30.785 | --- | |
2 | Mark Webber | Red Bull | 1:30.853 | + 0.068 | |
3 | Lewis Hamilton | McLaren | 1:31.169 | + 0.384 | |
4 | Robert Kubica | Renault | 1:31.231 | + 0.446 | |
5 | Fernando Alonso | Ferrari | 1:31.352 | + 0.567 | |
6 | Jenson Button | McLaren | 1:31.378 | + 0.593 | |
7 | Nico Rosberg | Mercedes | 1:31.494 | + 0.709 | |
8 | Rubens Barrichello | Williams | 1:31.535 | + 0.750 | |
9 | Nico Hülkenberg | Williams | 1:31.559 | + 0.774 | |
10 | Michael Schumacher | Mercedes | 1:31.846 | + 1.061 | |
11 | Nick Heidfeld | Sauber | 1:32.187 | + 1.402 | |
12 | Felipe Massa | Ferrari | 1:32.321 | + 1.536 | |
13 | Vitaly Petrov | Renault | 1:32.422 | + 1.637 | |
14 | Kamui Kobayashi | Sauber | 1:32.427 | + 1.642 | |
15 | Adrian Sutil | Force India | 1:32.659 | + 1.874 | |
16 | Jaime Alguersuari | Toro Rosso | 1:33.071 | + 2.286 | |
17 | Vitantonio Liuzzi | Force India | 1:33.154 | + 2.369 | |
18 | Sébastien Buemi | Toro Rosso | 1:33.568 | + 2.783 | |
19 | Jarno Trulli | Lotus | 1:35.346 | + 4.561 | |
20 | Heikki Kovalainen | Lotus | 1:35.464 | + 4.679 | |
21 | Lucas di Grassi | Virgin | 1:36.265 | + 5.480 | |
22 | Timo Glock | Virgin | 1:36.332 | + 5.547 | |
23 | Bruno Senna | HRT | 1:37.270 | + 6.485 | |
24 | Sakon Yamamoto | HRT | 1:37.365 |
Bei Lewis Hamilton wurde nach der Session das Getriebe und der Motor gewechselt und wurde um fünf Plätze nach hinten versetzt: Startete also vom Platz 9.
Das Rennen
Aus der deutschen und aus meiner Sicht war es ein zufriedenstellendes Rennen. Warum? Dazu später mehr. Ich fange einfach ganz traditionell am Anfang des Rennens an. Sonst würdet ihr nicht weiter lesen! Ja, ich kenne euch doch! :-9 Also …
Das Rennen begann mit zwei heftigen Kollisionen. Vitaly Petrov wollte am Start an Nico Hülkenberg vorbeigehen - kollidierte aber bei dem Manöver mit ihm und schoss beide aus dem Rennen. "Ich hatte einen schlechten Start, viel durchdrehende Räder - ich kam nicht vom Fleck", sagte Hülkenberg. "Dann sah ich einen gelben Pfeil und es war Ende."
Felipe Massa versuchte, seinen schlechten Startplatz in Kurve 1 zu verbessern, kam jedoch innen auf den Kerb und rammte Tonio Liuzzi. Auch dieses Duo schied aus. "Ich hatte einen tollen Start, habe fünf oder sechs Autos überholt", so Liuzzi. "Dann sah ich Felipe wie eine Rakete in mich reinrasen. Ich glaube nicht, dass man ihn dafür verantwortlich machen kann, da er wohl keine Kontrolle über das Auto hatte."
Felipe Massa kam nach seiner Kollision ohne Strafe davon, Vitaly Petrov bekam jedoch eine Strafversetzung um 5 Plätze beim nächsten Rennen aufgebrummt.
In der folgenden Safety-Car-Phase rollte Robert Kubica aus, der sich am Start gegen Mark Webber durchsetzte und auf Platz 2 lag. Am Renault des Polen fehlte das rechte Hinterrad!
Das erinnerte mich an Hungaroring und Alonsos Radmutter (damals noch bei Renault), die sich einfach vervollständigt hatte und mich rasend vor Wut machte … Dejavu? Schon, nur das ich diesmal einfach froh war, dass in dem Renault jetzt ein anderer Fahrer saß.
Und was so spannend angefangen hatte, entwickelte sich schnell zum eher langweiligen Rennen. Am Ende wurde ein wenig mehr los, weil es wieder krachte (vielleicht sind die Fahrer auch beinahe eingeschlafen?). Wenige Runden vor Rennende sollte Kubicas Rad nicht das Einzige bleiben, das sich selbstständig machte: Nico Rosberg flog in seinem Silberpfeil ab, weil die rechte Hinterradaufhängung kollabierte und er das rechte Hinterrad verlor. Das Safety Car musste jedoch nicht mehr rauskommen. Schade für Alonso, weil sonst wäre sogar der Platz zwei drin. Aber wir wollen nicht meckern.
Was soll denn der Lucas di Grassi sagen? Er konnte erst gar nicht am Rennen teilnehmen. Der Virgin-Pilot flog auf dem Weg in die Startaufstellung in der 130R heftig ab und zerstörte sein Auto. Der Brasilianer scheint mit dem ungewohnt schweren Auto und kalten Reifen auf der schmutzigen Spur ausgerutscht zu sein. Timo Glock hingegen hat die karierte Zielflagge gesehen: als Vierzehnter. Besser als nichts.
Die beiden McLaren Piloten waren auch nicht zufrieden. Lewis Hamilton war sowieso vom Pech verfolgt, und als es dann im Rennen anfing, ein wenig besser auszusehen ging sein dritter Gang nicht mehr ging und er fiel hinter seinen Teamkollegen Jenson Button auf Rang fünf zurück. Nun, Jenson, die Frohnatur in Person, war mit P4 nicht … amused.
Hinter Hamilton belegten Michael Schumacher, Kamui Kobayashi und Nick Heidfeld die Ränge sechs bis acht. Kobayashi war der Überholmeister des Rennens - gleich mehrmals überholte er in der Haarnadel innen seine Gegner. Einmal berührte er sich sogar mit Jaime Alguersuari (endete auf den undankbaren elften Platz) der sich danach einen neuen Frontflügel holen musste. Die letzten beiden Punkteränge gingen an Rubens Barrichello und Sebastien Buemi. Adrian Sutil verlor einen sicheren Punkteplatz durch einen technischen Defekt. Yessssssss!!! Aber statt das Auto schön an der Seite abzustellen fuhr er bis in die Boxengasse und hinterließ eine schöne dicke Ölspur. Ganz galant und klug war das nicht. Aber hey, es ist Sutil. Man kann von ihm nicht zu viel erwarten. Gell?
Mit den Plätzen 12 und 13 holte Lotus in Suzuka das bisher beste Rennergebnis dieser Saison. Sowohl Heikki Kovalainen als auch Jarno Trulli lieferten im Rennen eine starke Performance ab. "Das ist einfach fantastisch", freute sich Trulli. Der Italiener freute sich nicht nur über die eigene Zielankunft, sondern auch insgesamt für das Team. "Ich hatte einen guten Start und kam in der Safetycar-Phase an die Box, um Reifen zu wechseln. Ich kam hinter Yamamoto heraus und konnte ihn direkt attackieren", erzählte der Lotus-Pilot.
Auch Bruno Senna (HRT) freute sich über sein bestes Saisonergebnis ab. In der Safety-Car-Phase traf er zusammen mit seinem Renningenieur die Entscheidung, "den frühen Boxenstopp zu riskieren und dann halt irgendwie mit dem einen Reifensatz über die Distanz zu kommen. Zum Glück ging da am Anfang der Funk noch, sodass wir das diskutieren konnten - später ist er komplett ausgefallen."
Senna musste dann das ganze Rennen über auf die Reifen aufpassen. "Aber im Rahmen unserer Möglichkeiten lief es recht gut. Von der Balance her wurde das Auto im Laufe der Zeit sogar besser, ich konnte auch das Tempo von Timo mitgehen - der mich übrigens unter "Gelb" überholt hat ganz am Anfang."
Sein Teamkollege Sakon Yamamoto endete auf Platz 16.
Der Sieger
Der dritte Saisonsieg könnte ein ganz wichtiger für Sebastian Vettel sein: Mit einer überlegenen Vorstellung und einem ungefährdeten Sieg sicherte sich der Deutsche 25 WM-Punkte und machte damit sieben Zähler auf seinen Teamkollegen Mark Webber gut. Der Australier belegte hinter Vettel Platz 2.
"Das war ein unglaublicher Tag", freut sich Vettel. "Erst die Pole, dann ging es am Nachmittag so weiter - fantastisch. Das Team hat den Sieg verdient. Die Strecke ist wie für uns gemacht."
Auch Webber freute sich über einen sehr guten Tag. "Ich war im Qualifying nah an Seb dran - wir wussten, dass das entscheidend sein würde. Danach war es schwierig, das Rennen zu gewinnen. Gratulation an Seb, er hat den Sieg verdient." Pffffffffff … Ich rolle jetzt mir den Augen. Ganz dolle!!
Aus der deutschen Sicht war es ein schöner Sonntag: Vettel ist an Webber näher gekommen und kann den Titel ein wenig (aber nur ein wenig) riechen. Hoffentlich geriet er dadurch unter Druck! Eigentlich gehe ich davon aus, aber man weiß ja nie.
Und aus meiner Sicht: ganz in Ordnung. Solide Leistung und Punkte. Ohne Blödsinn. Einfach nur die wichtigen Punkte gesammelt. Wäre das Safety Car noch einmal rausgegangen, wäre noch mehr drin. Nun … Jetzt bloß keine Fehler machen, denn die Konstanz ist entscheidend. Wer weiß, was sich die Red Bulls leisten werden, und man muss auf jeden deren Fehler vorbereitet sein.
In der WM bleibt die Saison nach dem heutigen Red-Bull-Doppelerfolg spannend. Mark Webber (220 Punkte) hat seine Führung weiter ausgebaut, dahinter liegen Fernando Alonso und Sebastian Vettel (jeweils 206) nun gleichauf. McLaren ist der große Verlierer des Wochenendes. Lewis Hamilton (192) und Jenson Button (189) haben den Anschluss etwas verloren. Außerdem wird bei Hamilton nun wohl ein weiterer Getriebwechsel fällig.
Bei den Konstrukteuren führt Red Bull (383) vor McLaren (359), Ferrari (329) und Mercedes (168).
Die Formel 1 bleibt jetzt in Asien und in zwei Wochen sehen wir uns wieder in Südkorea. Wenn das Rennen überhaupt stattfindet. Wäre schon gut, weil uns nur noch drei davon übrig bleiben. Nur! *seufz*














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