Fernando Alonso gewann das erste Formel-1-Rennen in Südkorea und übernahm die WM-Führung, oder in anderen Worten: Der Spanier ist jetzt genau dort, wo er hingehört – an der Spitze. Doppelausfall bei Red Bull. Viel Wasser, Schrott und Durcheinander.
Wenn jemand ein Drehbuch für das Rennen in Korea schreiben würde, es könnte es sich nicht besser ausdenken: es war spannend, es war überraschend, es war nervenaufreibend, es war ein wenig langweilig (so die ersten 18 Runden, als die Autos hinter dem Safety Car hinterherdackeln mussten), es war unterhaltsam und es war enttäuschend (je nachdem, wer man ist, in welchem Auto man sitzt und wen man anfeuert, aber am Ende gewann der Richtige (aus meiner Sicht): Fernando Alonso. Entschuldigung, was? Ich habe Sie jetzt nicht richtig verstanden? Ah, so ist das. Ich bin nicht objektiv? Na und? Ist mir doch egal, wie Sie es sehen. Wenn Heiko Wasser es auf Sendung sein darf (und ihm hören viel, viel mehr Leute zu), warum darf ich es denn nicht? Der arme Heiko hätte fast das Mikro verschluckt als Sebastian Vettels Motor Puuuuuffffffffffff!!! machte. Nun, halt Pech. Könnte jedem passieren. Diesmal war es Sebastian. Was soll der der arme Mark Webber sagen, der in der 19. Runde (die erste Runde nach dem Restart) gegen die Wand prallte? Als WM-Leader? Na? Ah, auf einmal sind Sie ruhig … ?
Nun, das Rennen war ohne Zweifel ein der Besten in diesem Jahr. Lage sah es nicht danach aus, unsere Geduld wurde auf die Probe gestellt und erst nach ca. 1,5 Stunden ging es los, aber wir wurden belohnt. Und wie!! Hinterher sagten viele, dass die Koreaner zu Unrecht kritisiert worden sind, weil das Rennen doch ein Sukzess gewesen ist, die Koreaner haben einen tollen Job gemacht und bla, bla, bla. Wie schnell sich die Meinungen doch ändern können!! Noch 2 Stunden vor dem Rennen sah das ganz dort nicht so schön aus. Hmm… Und übrigens, dass das Rennen so toll geworden ist, und so spannend etc., haben wir nicht den Organisatoren zu verdanken, sondern dem Wetter. Hätte es nicht geregnet, hätte es selbstverständlich anders ausgesehen. Wie? Das werden wir nie erfahren. Aber lass uns bitte fair blieben: Die Organisatoren sorgten auch für ein Chaos der anderen Art, nur leider scheinen es alle in Sekundenschnelle vergessen zu haben.
Die Qualifikation
Fernando Alonso hatte die Pole-Position fast schon in den Händen, aber Sebastian Vettel hat es ihm wieder in der letzten Sekunde weggeschnappt. Mark Webber war Zweiter, mit nur 0.074 Sekunden Rückstand. Und da war nur ein Zehntel zwischen dem Australier und dem Asturier.
Die Ergebnisse:
1. Sebastian Vettel 1:35.585192
2. Mark Webber 1:35.659213
3. Fernando Alonso 1:35.766234
4. Lewis Hamilton 1:36.062205
5. Nico Rosberg 1:36.535186
6. Felipe Massa 1:36.571187
7. Jenson Button 1:36.731218
8. Robert Kubica 1:36.824219
9. Michael Schumacher 1:36.9502210
10. Rubens Barrichello 1:36.9982511
11. Nico Hülkenberg 1:37.6201812
12. Kamui Kobayashi 1:37.6431513
13. Nick Heidfeld 1:37.7151614
14. Adrian Sutil 1:37.7831815
15. Jaime Alguersuari 1:37.8531816
16. Sebastien Buemi 1:38.5941617
17. Tonio Liuzzi 1:38.9551018
18. Jarno Trulli 1:40.5211019
19. Timo Glock 1:40.748820
20. Vitaly Petrov * 1:37.7991821
21. Heikki Kovalainen 1:41.768922
22. Lucas di Grassi 1:42.3251023
23. Sakon Yamamoto 1:42.4441024
24. Bruno Senna 1:43.28
*Vitaly Petrov startete als 20, weil er fünf Plätze nach hinten versetzt wurde, als Strafe für den Unfall in Japan.
Das Rennen
Nach einer dreistündigen Regenschlacht gewann Fernando Alonso bereits bei Einbruch der Dunkelheit um exakt 17:58 Uhr Ortszeit den ersten Grand Prix von Südkorea in Yeongam und sicherte sich damit auch die Führung in der Weltmeisterschaft. Doch es gab auch einen großen Verlierer: Red Bull. Mark Webber schmiss seinen RB6 an zweiter Stelle liegend weg, Sebastian Vettel schied in Führung liegend mit einem Motorschaden aus. Damit ist im Kampf um die Formel-1-Krone wieder alles offen, denn nicht nur Alonso nutzte mit seinem Sieg die Gunst der Stunde, sondern auch Lewis Hamilton (McLaren) sammelte 18 wertvolle Zähler für die Titelentscheidung, die sich zwei Rennen vor Schluss wohl auf einen Vierkampf reduziert hat.
Das Drama um Vettel (*gähn*) deutete sich bereits in der 45. Runde an, als er über den Boxenfunk wegen der einbrechenden Dunkelheit einen Rennabbruch zur Diskussion stellte: "Ich kann den Bremspunkt in der ersten Kurve nicht mehr sehen, in anderen Kurven auch nicht mehr!" Doch der zu jenem Zeitpunkt an dritter Stelle liegende Hamilton relativierte: "Das Licht ist okay." Möglich, dass Vettel den sich anbahnenden Ausfall bereits erahnte.
Denn wenige Augenblicke später wurde er plötzlich langsam, sein Renault-V8-Motor spuckte Rauch und Feuer - Ausfall, 25 Punkte weg. "Natürlich ist man enttäuscht, aber man sieht's mir auch an: Allzu tragisch ist es nicht", gab sich Vettel gelassen. "Natürlich ist es gravierend für die Meisterschaftssituation, aber es ist noch nicht vorbei und ich kann mir heute nichts vorwerfen. Kopf hoch! Wir haben noch zwei Rennen, um die 25 Punkte aufzuholen." Nun, sein Gesichtsausdruck sagte mir etwas ganz, ganz anderes.
Dabei hatte der dramatische Nachmittag nur gemächlich begonnen - und wegen Regens mit zehn Minuten Verspätung. Felipe Massa (Ferrari), Timo Glock (Virgin) und Bruno Senna (HRT) waren schon auf dem Weg in die Startaufstellung von der Strecke abgekommen, sodass FIA-Rennleiter Charlie Whiting den Start verschob. Losgefahren wurde dann zunächst hinter dem Safety-Car - und auch das erstmal nur für drei Runden. Dann wurde das Rennen unterbrochen und es wurde gewartet.
Erst eine Stunde und fünf Minuten nach der eigentlich vorgesehenen Startzeit um 15:00 Uhr ging es weiter, erneut hinter dem Safety-Car. Bereits in der neunten Runde forderte Hamilton als Erster die Freigabe des Rennens, erst in der 18. drückte Rennleiter Whiting dann tatsächlich auf den grünen Knopf. Der Start verlief bis auf kleinere Ausritte im Hinterfeld diszipliniert, Vettel verteidigte seine Pole-Position vor Webber und Alonso souverän.
Vettel setzte sich gleich in der ersten Runde um fast drei Sekunden von Webber ab - und dann der erste Schock im Rennen: Webber kam auf einen Randstein, rutschte fast wie in Zeitlupe in eine Mauer. Sein Auto überstand diesen Zwischenfall noch, stand verkehrt zur Fahrbahn und rollte weiter, aber dann kam es zum Riesenknall mit Rosberg, der dem Red Bull nicht mehr ausweichen konnte, was für beide das Ende des Arbeitstages bedeutete.
"Eindeutig mein Fehler", sagte Webber. "Ich kam am Ausgang von Kurve zwölf auf den Curb und rutschte dann wie in Zeitlupe runter. Mein Fehler, nicht mein Tag. Und ich habe auch noch Nico mitgenommen."
Wegen der Aufräumarbeiten wurde das Safety-Car ein drittes Mal auf die Strecke geschickt. Nach dem Restart war Button, der zuvor einen Platz gegen Schumacher verloren hatte, der erste WM-Anwärter, der auf Intermediates wechselte - in Runde 28 und offensichtlich zu früh, denn erstens kam er hinter mehreren langsamen Autos auf die Strecke und zweitens schlitterte er auf den Intermediates von einem Zwischenfall in den nächsten.
"Es war ein katastrophaler Tag. Ich hatte einfach nicht den Speed, mit beiden Reifentypen nicht - zu wenig Grip", seufzt der Titelverteidiger, der nun 42 Punkte Rückstand auf den neuen WM-Leader Alonso hat und sich wohl damit anfreunden muss, die Startnummer eins nach Abu Dhabi abzugeben. Das weiß der McLaren-Pilot auch selbst: "Rechnerisch habe ich noch eine Chance, aber praktisch ist es unmöglich. Ein schrecklicher Tag für mich."
In Runde 31 dann die nächste Schlüsselszene: Wegen einer Kollision zwischen Timo Glock (Virgin) und Sébastien Buemi (Toro Rosso), die zu 100 Prozent auf die Kappe des Schweizers ging, kam es zu einer weiteren Safety-Car-Phase. Vettel und Alonso blieben noch eine Runde draußen, Hamilton und die weiteren Verfolger kamen jedoch geschlossen an die Box - und weil Ferraris Crew rechts vorne zu lange benötigte, tauschten Alonso und Hamilton dabei die Plätze.
Schon beim Restart stellte Alonso aber die alte Reihenfolge wieder her, weil Hamilton in der ersten Kurve den Bremspunkt verpasste. Während es im Mittel- und Hinterfeld zu teilweise sehenswerten Positionskämpfen und unzähligen Drehern kam, verlief der Grand Prix auf der 5,621 Kilometer langen Strecke an der Spitze verhältnismäßig unspektakulär. Allerdings bauten die Intermediates bei manchen langsam ab.
Am stärksten war davon Hamilton betroffen, der nach dem Red-Bull-Drama binnen weniger Runden 13 Sekunden auf Sieger Alonso verlor und den zweiten Platz ohne Risiko ins Ziel rettete. Hinter Massa, der eher unbemerkt eine gute Leistung ablieferte und Dritter wurde, fuhr Schumacher als Vierter über die Ziellinie.
Im Finish wurde es dann noch einmal interessant, als das Williams-Duo Barrichello/Hülkenberg mit abbauenden Reifen die sicher scheinenden Plätze fünf und sechs wegschmiss, wofür sich Kubica und Vitantonio Liuzzi (Force India) herzlich bedankten. Barrichello kam als Siebter ins Ziel, Hülkenberg wurde nach einem zusätzlichen Boxenstopp und einem Last-Minute-Überholmanöver gegen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) immerhin noch Zehnter.
Das Sauber-Team nahm mit den Positionen acht (Kamui Kobayashi) und neun (Nick Heidfeld) weitere wichtige Punkte mit, die andere liegen ließen: Sutils ehm … (ich weiß nicht, wie ich seine Leistungen nennen soll) Fahrt endete mit der Kollision mit Kobayashi, Vitaly Petrov schmetterte seinen Renault in der letzten Kurve in die Boxenmauer und Sensationsmann Glock lag phasenweise an elfter Stelle, bis er von Buemi abgeschossen wurde. Insgesamt sahen nur 15 Autos die Zielflagge.
Aus der deutschen Sicht: viel Pech. Vettel ließ unverschuldet Punkte liegen, Nico Rosberg konnte aufs Podium fahren, aber leider hatte Mark Webber andere Pläne. Und Sutil ... ja, wie soll ich das nennen, was er da veranstaltete? Es war wieder wie in den guten alten Zeiten: Wenn es kracht, dann ist Adrian Sutil sicherlich dabei. Ach, wie habe ich es vermisst. Adrian scheint wieder gesund zu sein. Dies machte dieses Rennen - aus meiner Sicht - perfekter als perfekt! Fernandooooooooo! Oh ja, es war herrlich.
Der Sieger
Der Meister hat es wieder getan. Er lauerte, lauerte und lauerte. Wartete auf die Gelegenheit, er war da, um die Punkte zu nehmen, die Red Bull liegen ließ. Christian Horner (Red Bull Teamchef) sagte, dass Alonso von ihnen beschenkt worden ist. Klar, Chris, so kann man es auch sehen. Klar, bestreitet auch keiner. Aber, man muss eben da sein, wenn jemand ein Fehler macht, um davon profitieren zu können. Fernando Alonso war da und da kann ihm niemand etwas vorwerfen, auch nicht Mr. Horner, der by the way ein sehr schlechter Verlierer ist (das zeigte er nicht nur am vergangenen Sonntag).
Alonso hörte sich diesen Quatsch natürlich nicht und freute sich wie ein kleines Kind:
"Ich freue mich riesig. Das war eines der besten Rennen des Jahres für uns. Wir waren das ganze Wochenende konkurrenzfähig und wussten schon gestern, dass die Rennpace da sein würde. Uns war klar, dass wir ins Ziel kommen müssen - und das ist mein erster Sieg bei einem Regenrennen! Umso größer ist die Freude."
Seine Worte wurden nur zu gut durch dieses Bild unterstrichen …
Fernando sieht wirklich glücklich aus, so wie er da nicht aufhören kann zu grinsen. Es ist die gegönnt, Fer! Nur mach’s noch mal zweimal und dann können wir (du und ich *g*) so richtig feiern. :-)
In der Fahrer-WM führt nach 17 von 19 Rennen Alonso mit 231 Punkten vor Webber (220), Hamilton (210), Vettel (206) und Button (189). Massa ist Sechster (143) gefolgt von Robert Kubica (124) und Nico Rosberg (122). Die Top-Ten komplettieren Michael Schumacher (66) und Rubens Barrichello (47 Punkte).
Trösten kann sich Red Bull (426 Punkte) mit der Führung in der Konstrukteurswertung, doch McLaren (399) holte heute 18, Ferrari (374) sogar 40 Zähler auf - die Team-WM-Entscheidung, die theoretisch schon in Yeongam hätte fallen können, ist somit vertagt. Daher dürfen sich die Formel-1-Fans auf einen weiterhin spannenden WM-Kampf freuen.
Nächste Station ist am 7. November der Grand Prix von Brasilien in São Paulo. Leider wird es das schon vorletzte Rennen sein …











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