Es waren die Möwen, die mich rund fünf Uhr morgens aufgeweckt haben. Ziemlich ungewohntes Geräusch, das Gekreische der Möwen, aber nicht unangenehm. Da ich von den Ereignissen des letzten Tages ein wenig benommen war, saß ich nur im Bett und genoss die grandiose Aussicht auf die ganze Stadt, die noch größtenteils schlief.
Als ich so da saß, vergaß ich wieder die Zeit und plötzlich war es schon halb sieben. Schnell mit Tricky Ricky duschen ...
... die Zeitung holen und frühstücken. Es war komisch den Liverpool ECHO endlich mal in den Händen zu halten. In der Papierausgabe. Und The Times. Und den LFC Weekly. Das hat sich schön angefüllt. Auch zu sehen, wie Liverpool langsam aus dem Schlaf aufwacht und die Menschen zur Arbeit eilen war schön. Ein Teil davon zu sein. Herrlich! Der Sportteil des Kölner Stadt-Anzeiger durfte den Liverpool ECHO auch „persönlich“ kennenlernen … :-9
Um 14:00 Uhr stand die Stadiontour auf'm Plan, und da ich schon früher da sein wollte, um die Atmosphäre zu genießen, hatte ich nur vier Stunden Zeit, um etwas zu unternehmen. Ich habe mich für den Cavern Viertel entschlossen. Weil es ziemlich nah war und ich endlich den Cavern Club sehen wollte. Ich wollte nicht rein gehen, noch nicht heute. Weil es zu viel auf einmal sein würde. So viel konnte ich auf einmal nicht verarbeiten.
Auf dem Weg zum Club lief ich wieder am Hauptbahnhof auf der Lime Street vorbei. Er gehört zu den ältesten in Großbritannien und wurde in den letzten Jahren für 35 Millionen Pfund renoviert. Das Prunkstück des Gebäudes ist das riesige Glasdach, einer der kühnsten Architekturkonstruktionen des 19. Jahrhunderts. Von Lime Street aus verkehren nicht nur die Bahnen zum Flughafen Manchester, sondern auch direkte Züge nach London.
Auf dem Weg zum berühmtesten Club der Welt lernte ich noch die Church Street kennen, die im Herzen des modernen Liverpool One liegt. Aber heute hatte ich keine Zeit und keinen Kopf für diesen Teil der Stadt. Heute stand noch Geschichte auf dem Plan. In die North John Street abgebogen und schon stand ich vor dem berühmten Hard Days Night Hotel in dessen Beatles Shop so ziemlich alles rund um die Beatles zu kaufen ist ... und viele Asiaten. Aber wo sind die denn nicht zu finden? Man wir dort übrigens nicht abgezockt, also nichts wie rein.
Das Hard Days Night ist Liverpools neuestes Hotel, dass erst im Februar 2008 seine Pforten in einem denkmalgeschützten Haus öffnete. Zum ersten Beatles-Theme-Hotel gehören zwei Luxus-Suiten und zwei Restaurants. Fast jedes der 110 Zimmer schmücken Bilder von Mike McCartney, dem Bruder Paul McCartneys.
Und wenn man um die Ecke abbiegt, steht man schon in der berühmten Mathew Street. In der Straße, wo ALLES begonnen hat …
Kaum ein Tourist würde die schmale Gasse betreten, hätten die Beatles dort nicht in einem dunklen Keller Geschichte geschrieben. Ihre Auftritte im legendären Cavern Club legten der Grundstein zu einer der steilsten Karrieren im Unterhaltungsgeschäft. Heute ist die Mathew Sreet im Cavern Quarter das Mekka der Beatles-Touristen.
Und da stand ich endlich davor. Oder besser gesagt: Ich saß davor. Denn ich musste mich hinsetzen. Der Moment war zu groß.
1957 wurde der Cavern Club eröffnet, in dem anfangs authentischer Jazz, schon bald aber Skiffle und schließlich Beat gespielt wurden. Große finanzielle Erfolge wurden dem kleinen Club nie bescheiden, obwohl dort Giganten wie Eric Clapton, The Who oder The Animals auftraten.
1973 machte der Klub deshalb dicht und räumte seinen Platz für den Bau der neuen Metro. 1984 aber meldete sich der Cavern Club wieder zurück, nur ein paar Schritte neben den ehemaligen Klub wurde er unter Verwendung vieler Originalsteine neu aufgebaut.
1994 eröffnete der Cavern Pub gegenüber, neben dessen Eingang eine Statue John Lennons steht.
Paar Schritte weiter findet sich die Liverpool Wall of Fame. Mahr als 50 kleine, runde Bronzentafeln, die an Nummer-Eins-Hits Liverpooler Künstler in den britischen Charts von 1953 bis heute erinnern.
Seit dem 1979er-Jahren hat das Cavern Quarter sein Gesicht komplett verändert. Aus dem schmutzigen Vergnügungsviertel von einst, durch das sich die Autos quetschten, ist eine touristische Amüsiermeile geworden, eine Fußgängerzone mit Klubs, Pubs und Restaurants.
Dort wurden paar Souvenirs gekauft und schon musste ich zum Bahnhof, weil das Stadion wartete …
Es waren die stressigsten 15 Minuten (weil so lange braucht der Bus, um zum Stadion zu gelangen) meines Lebens. Endlich sollte ich die Kathedrale sehen und betreten … Meine Nerven lagen blank. Und dann stand ich endlich davor. Endlich konnte ich mir sagen. This is Anfield. Und diesmal in HD. In total Full HD!! *grins*
Es waren die stressigsten 15 Minuten (weil so lange braucht der Bus, um zum Stadion zu gelangen) meines Lebens. Endlich sollte ich die Kathedrale sehen und betreten … Meine Nerven lagen blank. Und dann stand ich endlich davor. Endlich konnte ich mir sagen. This is Anfield. Und diesmal in HD. In total Full HD!! *grins*
And der Anfield Road schlägt Liverpools Herz. Es ist der älteste und renommierteste Fußballplatz der Stadt, die Spielstädte des legendären Liverpool FC. Und ich war endlich da!!
„Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!“
Dieser Satz stammt von Bill Shankly, dem legendären Trainer des FC Liverpool. Vor dem großen Stadioneingang haben die Liverpudlians ihm ein Denkmal gesetzt. Bill Shankly formte den Verein erstmals zu einem Spitzenklub. Für ihn war der Teamgeist wichtig, eine Mannschaft nur als Kollektiv erfolgreich.
Liverpool wurde mehrfach englischer Fußballmeister (18 Titel). An die sportliche Erfolge erinnert das im Eingangsbereich gelegene Museum, das man auch unabhängig von der Stadiontour besichtigen kann. Dort gibt es zwei interessante Filme zu sehen, unter anderem eine Zusammenfassung des geschichtemachenden Champions-League-Finales 2005, in dem Liverpool in Istanbul den AC Mailand nach einem dramatischen Match inklusive Verlängerung im Elfmeterschießen besiegte. Ta Rafa la!
Aber ich musste natürlich in das Stadion rein. Bevor man den heiligen Rasen sehen konnte, ging es in den heiligsten Raum überhaupt: Die Umkleide.
Ich kann nur von Glück sprechen, dass ich hier nicht kollabiert bin … Was für ein Moment …
endIich war in dem Raum, wo so viel passiert. In dem Raum ,wo so viel Geschichte geschrieben worden ist und immer neu geschrieben wird. In dem Raum, wo meine Jungs sich auf wichtige und die minder wichtige Spiele vorbereiten. Wo sie lachen, scherzen und oft auch saftig fluchen. Auf der gleichen Bank, wie meine Helden zu sitzen. Durch die gleiche Tür zu gehen. Den gleichen Weg durch den Tunnel auf das Spielfeld zu gehen. Könnt ihr Euch vorstellen, wie es ist? GÖTTLICH!!!
Von der Tür und dem Tunnel gesprochen … Kaum habe ich angefangen wieder zu atmen, stand ich vor dem legendärsten Zeichen der Fußballgeschichte … So wie meine Jungs vor jedem Heimspiel auch davor stehen. Und unsere Gegner übrigens auch. John Terry (Chelsea FC) sollte einmal an der Stelle stehend ziemlich gezittert haben … Das nur so am Rande. :-9
Dieses Logo wurde im Eingang zum Tunnel, der auf den Spielplatz führt, befestigt. Es sollte die gegnerische Mannschaft daran erinnern, wo sie sind und den nötigen Respekt zu erweisen. Paar Treppen runter und paar Treppen hoch und schon roch ich den frisch gemähten heiligen Rasen … So wie die Jungs es auch immer tun. Anfield … Da bin ich …
Nach 75 Minuten war die Führung zu Ende. Auf weichen Knien begab ich mich ins Museum des Klubs. So viel Geschichte, so viele
Erinnerungen. Die Medaille aus Istanbul zu sehen war wieder ein Kracher.
Erinnerungen. Die Medaille aus Istanbul zu sehen war wieder ein Kracher.
Ich war so durch das Ganze verwirrt, dass ich (unabsichtlich) Feueralarm ausgelöst habe und für 10 volle Minuten im Zentrum des Geschehens stand. Security, Polizei und Sky (obwohl die aus völlig anderem Grundda waren) dort gewesen sind … Für zehn Minten war ich berühmt. Und das auf Anfield! Himmel …!
Sechs Stunden später machte ich mich wieder auf den Weg in die Stadt. Es war schon spät und ich musste zu mir kommen. Dieser Tag war nicht mehr zu toppen und ich beschloss ihn mit einem Cider auf einer bank an dem Mersey abzuschließen. Im einen Pub, wo ich Fisch & Chips ohne Fisch gegessen habe, lernte ich Tania und Jamie kennen, die mich dann noch zum Postman Pub auf ein Bierchen eingeladen haben. Ah, die lieben Scousers … :-9 Tania hatte das vergangene Wochenende im Hard Days Night Hotel verbracht und erzählte mir, wie es dort drinnen so ist. Von ihr weiß ich die Sache mit den Bildern (s.o. Mike McCartey).
Und dann ließ ich meine Gedanken im Albert Dock am Rande des Mersey treiben. Wunderschön …
Kein Wunder, dass ich wieder die Zeit vergessen habe. Für den dritten Tag hatte ich außer Cavern Club (diesmal von innen) noch nichts auf dem Plan, aber es sollte überwältigend werden ...


Very cool Amanda! Great photos!
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