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Dienstag, 10. August 2010

Fab Four Days in Liverpool: Day Three

Es waren wieder die Möwen und nicht die Sonne, die mich um 5 Uhr aus dem Schlaf holten. Ich genoss es tatsächlich, das englische Wetter. Wie auf Bestellung war es wolkig, sonnenlos und verregnet. Und schön kühl. Genau, wie es sich gehört. Meine gute Laune hatte also keine Grenzen und ich sprang aus dem Bett wie ein junges Reh (hehe), um zu duschen: mit Tricky Ricky od course – always a pleasure. :-9 Liverpool ECHO holen – man muss ja wissen, was los ist – und es gemütlich beim Frühstück und Tasse Kaffee lesen. Herrlich … Die Aufregung hat etwas nachgelassen, weil ich den wichtigsten Punkt meiner Reise schon hinter mir hatte, und ich jetzt nur noch die Gedanken darüber genießen konnte. Ich hatte jetzt die Erinnerungen und niemand konnte mir die wegnehmen. Mein blödes Grinsen musste so ziemlich jedem aufgefallen sein, aber es war doch egal. Denn ich war auf Anfield


Und am Tag drei sollte ich endlich auch The Cavern Club von innen kennenlernen. Ich war schon mental darauf vorbereitet und konnte es nicht mehr erwarten. Da der Club erst um 11:00 Uhr aufmachte und erst um 14:00 Uhr die erste Gruppe auftreten sollte, hatte ich noch genug Zeit zur Verfügung, um noch andere Sachen zu unternehmen. Also … Reiseführer auf und schauen, was es da noch zu erkunden gibt in der Stadt.
Der Zufall wollte, dass ich nicht weit von der Philharmonic Hall in der Hope Street wohnte. Na also, da stand das Ziel nummer eins schon fest ... 


Die Liverpooler Philharmoniker gehören zu den wenigen Orchestern der Welt, die über eine eigene Spielstätte verfügen, die Royal Philharmonic Hall. Zwar ist die 1849 erstmals errichtete Halle Eigentum der Stadt, die Musiker aber haben sie für Jahre fest gemietet. 1995 wurde die Halle für 10,3 Millionen Pfund komplett saniert und das Foyer neu gestaltet. Manchen Betrachter erinnert die Ausmalung des Foyers an das Grab von Tutanchamun, des berühmten ägyptischen Königs …

250 Veranstaltungen stehen jährlich auf dem Programm der Philharmonic Hall. Konzertabende, die jährlich gut 250.000 Zuschauer erleben. Spezialität der Halle ist eine Leinwand für klassische Filme, die oftmals von einem Film-Organisten live begleitet werden. Es muss herrlich sein, auf dieser Leinwand ein altes Musical mit Fred Astaire zu schauen … Die Halle verfügt über eine der wenigen, eigens für den Filmbetrieb gebauten Orgeln. (Danke für diese Informationen und die Erlaubnis auf einen kurzen Blick in die Konzerthalle, lieber Herr Wachmann. :-9)
1999 hatte die digitalisierte und neu abgemischte fassung des Films "Yellow Submarine" in der Philarmonic Hall ihre England-Premiere.


Wenn ich schon auf der Hope Street war, schaute ich mir auch diese näher an. Es soll die Pulsader eines des lebendigsten Viertel der Stadt sein. Ja, kann man so ziemlich sagen. Auch wenn der Tag noch jung war, herrschte hier schon ein beschäftigter Trubel. Mann findet hier ebenso viele Edel-Restaurants wie Studentenkneipen, einfache Pubs und edle Bars. Tagsüber ist es das Revier vieler Liverpooler Studenten, abends kommen Theater und Konzertgäste, locken die Klubs mit ihren Livebands. 



Die Hope Street ist eine der Flaniermeilen Liverpools, breit und mit einigen Kunstwerken versehen. Dort habe ich auch meinen alten Freund getroffen … oder ist es eine Sie? Die Lamb Banana oder der Lamb Banana? Oder doch „das“? Hmmm … Verwirrend.



Nicht weit weg liegt der Campus der Universität, wo in Liverpool das Herz des studentischen Lebens schlägt. 



Die Parallelstraße zur Hope Street ist eine der wenigen Straßen der Stadt, die noch weitgehend ihr altes Bild bewahrt haben. Die am ende des 18. Jahrhundert angelegte Rodney Street prägen typische Bauten aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert :Klassische, meist dreistöckige Reihenhäuser, die fast ausnahmelos unter Denkmalschutz stehen und heute nicht selten von Anwälten und Ärzten bewohnt werden. Ich musste über die armen Arbeiterfamilien, die hier früher wohnten, nachdenken. Damals sah es hier ganz anders aus. Mann kennt es ja aus den Filmen. Aus „Billy Elliot“ zum Beispiel. Der Film wurde zwar nicht in Liverpool gedreht, aber die Häuser der Arbeiter sahen in ganz England gleich aus. So ein Häuschen zu haben … ;-9



Langsam musste ich mich auf den Weg ins Cavern Quarter machen und auf dem Weg dahin lief ich noch an der Liverpool Cathedral vorbei. Ich bin zwar kein religiöser Mensch und von Kirchen halte ich mich fern, aber dies hier war eine Ausnahme. Wenn ich schon hier bin … Die schaute mich so an, die Kathedrale. Ich gab also nach.
Ein schlaues Buch sagte mir, dass an dieser Kathedrale rund 70 Jahre gebaut wurde. Und dass man für deren Bau einen Katholiken engagierte, obwohl es eine protestantische Kathedrale sein sollte. 


Mitten in der Kathedrale steht ein Exemplar der weltbekannten roten Telefonzelle – entworfen von Giles Gilbert Scott, der am Bau des Gebäudes beteiligt war.
Besonders prächtig geriet der Hochaltar ...

... dessen Darstellung des Abendmals einige Rätsel aufgibt. Dort nämlich fehlt Judas, über dessen Stuhl nur ein paar Kleider hängen. Vielleicht sollte man Michael Owen fragen, was es damit auf sich hat? Der kennt sich in Judas-Sachen gut aus. Die LFC-Fans wissen, was ich meine. Die anderen können mich jede Zeit fragen.
Alles schön und gut, aber nach 15 Minuten hatte ich genug von dem Kirchen … errrr … Gedönse. Ich war ja auf dem Weg in meine eigene Kirche. *grins* Also nichts wie los in die Mathew Street!

Kurz noch hinsetzen, aufatmen und darauf vorbereiten, was gleich kommen sollte. Erstmal noch die Atmosphäre genießen. Es war noch relativ ruhig in der Straße. Nur ein paar asiatische Touristen. Hmmm … etwas anderes erwartet …? Währe ich drei Wochen später gekommen, würde ich hier nicht so in Ruhe sitzen können. Denn einmal jährlich platzt das Cavern Quarter aus allen Nähten: Ende August zum traditionellen Mathew Street Festival verwandeln sich die Gassen in die Freiluftkonzert-Arena. Beatles-Adepten aus aller Welt lassen Liverpools goldene Musikära noch einmal aufleben. Ein verlängertes Wochenende lang feiern Einheimischen und Touristen dann die größten Söhne der Stadt. Und wir in
Köln haben Karneval …



Zeit, um rein zu gehen …



Mann, war ich aufgeregt. In dem gleichen Raum zu sein, wo in den 60er Jahren alles angefangen hat. Wo Geschichte geschrieben worden ist. Von wo die Fab Four erstmal Liverpool, und dann die ganze Welt, erobert haben. Wo John, Paul, George und Ringo zu Hause waren. Pffuuuu … Ich brauchte dringend einen Stuhl! Und Cider, um die Nerven zu beruhigen. Erst nach paar Minuten war ich imstande zu registrieren, was um mich rum los war.



Leute. Was für ein Gänsehauterlebnis. Wie oft habe ich von diesem Moment geträumt? Wie oft habe ich mir die Lieder angehört und darüber nachgedacht, wie toll es doch wäre, in die Cavern zu gehen. Und da war ich also. Umgeben von Legende …



Um 14:00 Uhr begann der erste Liveact und der WOW!-Effekt stieg. Richard Batty sang nicht nur Beatles-Lieder, aber auch seine eigene Kompositionen. Wunderschöne Stimme. Tolle Akustik. Ich habe es sehr genossen. 


Um 16:00 Uhr kam dann John Lennon auf die Bühne. Nein, Quatsch. Aber der junge Mann könnte ruhig wie John durchgehen. Wie aus dem Gesicht geschnitten. Die gleichen Haare, die gleichen Brille, die gleiche Stimme (!) und der gleiche Witz. Als er loslegte … Mein lieber Herr Gesangsverein! Da ging es ab in der Hütte, ich sag es dir! The Cavern war voll. Fast so voll, wie damals, als noch der echte John und seine drei Beatles dort spielten. Was hätte ich dafür gegeben, damals dabei sein zu dürfen … Aber gut, man kann nicht alles haben.
Auch die Show ging auf einmal zu Ende – viel zu früh – und ich musste auch wieder auf die frische Luft. Ich wollte mich einfach treiben lassen und über nichts nachdenken. Da bin ich also zum Busbahnhof hin, ein Ticket (für nur 3 Pfund kann man in der ganzen Stadt kreuz und quer fahren) und ab die Post! Bin von einer Linie in die andere umgestiegen und halb Liverpool erkundigt. Diese spontane Idee gefiel mir und ich entschloss mich, am nächsten Tag die andere Hälfte der Stadt kennenzulernen.
Nun, es wurde schon langsam spät und mein Magen knurrte und so … etwas zum Futtern wäre nicht schlecht. „Tobaco Café“ in der Bold Street kann ich nur empfehlen. Hausgemachte Sandwiches, Salate und Tapas zu angemessenen Preisen. Tolles Ambiente und coole Bedienung. Ah, ging es mir gut. *grins* und wo sonst konnte ich den Tag abschließen, wenn nicht im Albert Dock? Irgendwie fühlte ich mich dorthin hingezogen wie eine Biene zum Honig. Es ist auch aber schön dort … oder? Cheers!



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