Endlich war es so weit. Endlich war der Tag meiner Reise zum wahren Ort meiner Geburt (wie ein Freund von mir es einmal so schön ausgedruckt hatte) gekommen. Endlich konnte ich meinen Rucksack (leider gehört Packen zu der schönsten Reise dazu) packen und zum Flughafen fahren.
Jede Reise fängt mit einer Anreise am Ziel. Das ist selbstverständlich.
Bei mir war das Ziel in zwei Etappen verteilt, denn erstmal musste ich in Manchester landen (ich weiß, ich weiß, aber ich musste ...) und erst dann ging es mit dem Bus weiter nach Liverpool. Die Busreise dauerte eine Stunde und war eigentlich sehr entspannt. Zumindest am Anfang. Je näher am Ziel desto größer wurde die Anspannung. Und dann endlich ...
Das Ziel: Meine wahre Heimatstadt Liverpool.
Als ich dann an weichen Beinen in die Stadt reinging und die Liverbirds sah ...
... ein großer Moment. Meine Beine konnten mich nicht weiter als bis zur nächsten Bar tragen und so wurde erstmal ein Stopp auf mein erstes Bier in Liverpool gemacht. Aber erstmal „musste“ ich noch am St. George’s Hall vorbei …
Frisch renoviert ist die St. George’s Hall jeden Tag außer Montag zugänglich. Im Heritage Center erfährt man einiges über die Geschichte der Stadt und ihrer Bürger. Der Platz vor der Halle ist noch immer eins der populärsten Versammlungsorte der Stadt. Tausende fanden sich hier nach dem Mord an John Lennon im stillen Gedenken an den Beatle zusammen. Noch mehr jubelten 2005 den Fußballern des FC Liverpool zu, die sich vor St. George’s Hall nach dem Gewinn der Champions League feiern ließen.
Und dann ging es weiter erstmal zum Hostel um einczuhecken, Sachen abladen und die Stadt erkunden. Es war schön später Nachmittag, als ich endlich in die Stadt konnte, deshalb war am ersten Tag nicht viel drin (auch weil es zu viele Eindrucke auf einmal waren), aber ich wollte schon mal das Wichtigste sehen: den Mersey und die Liverbirds.
Und so habe ich es dann gemacht. Erst ging es zum Albert Dock ...
Das Albert Dock ist das Touristenmagnet und das Kernstück des heutigen Weltkulturerbes. Das Dock ist eine Ansammlung nüchterner Zweckbauten, für deren Bau man einst in Schottland einen eigenen Steinbruch erschloss. Einst galt es als das modernste Importlager der Welt und die erste Anlage, die nur aus Eisen, Ziegel und Steinen bestand.
Genau betrachtet besteht das Dock aus verschiedenen, untereinander verbundenen Docks und fünf Warenlagern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man es abreisen, aber glücklicherweise stellte man es unter Denkmalschutz und wandelte es behutsam in ein Freizeitzentrum um. Dies signalisieret das Ende von Liverpools großer maritimer Geschichte unterstrich gleichzeitig aber den neuen Anspruch der Stadt als Metropole der Künste und Museen, Bars und Cafés.
Es bedeutete mir sehr viel, endlich da zu sein, wo es in den 60er Jahren begann, als die Beatles die Welt eroberten. Und endlich da zu sein, wo auch meine Jungs vom LFC zu Hause sind ... Was in mir in dem Moment vorging, ist sehr schwer zu beschreiben. Es war einfach ein großes Durcheinander.
Paar Schritte weiter, im Pier Head, warteten die Drei Grazien (The Three Graces) auf mich: das Royal Liver Building, Cunard Building und Port of Liverpool Building. Auch wenn die Häuser separat nebeneinanderstehen, vom Deck der Mersey-Fähre oder dem gegenüberliegendem Ufer aus wirken sie wie eine Einheit.
Anno 1907 wurde das Port of Liverpool Building als erstes großes Bauwerk an der neuen Uferpromenade errichtet. Es war das Hauptquartier des Mersey Dock and Harbour Board, der wichtigsten Schifffahrtsbehörde damals. Das 13 Stockwerke hohe, neobarocke Gebäude mit Ziergiebeln und großen Türmen ist das Ergebnis eine Architektenwettbewerbes, den man sechs Jahre vorher ausgerichtet hatte. Meterhohe Frauenfiguren, die Kommerz und Industrie verkörpern sollen, flankieren bis heute den Haupteingang, den Schiffe in Füllhörnern krönen. Schon im Jahr nach der Fertigstellung des Ports of Liverpool Building begann man mit dem Bau des Royal Liver Building. Auf das Dach setzte man kleine Türmchen und Kuppeln, auf die beiden Uhrtürme die berühmten Liver Birds, zwei große Vögel aus Kupfer, die heute mit halb ausgebreiteten Flügeln über der Stadt thronen.
Zwei Jahre später wurde mit dem Cunard Building die Lücke zwischen den beiden Bauten geschlossen. Der damalige Wolkenkratzer wurde zum Hauptquartier der noch heute existierenden Schifffahrtslinie Cunard.
Dort saß ich dann so und genoss den Augenblick und den Ausblick auf den Mersey.
Auf dem Weg zurück in die Innenstadt kam ich an den weltberühmten Lamb Bananas des chinesischen Künstlers Taro Chiezo, die 1998 errichtet wurden, vorbei. 2008 war Liverpool die Weltkulturhauptstadt und aus dem Einlass haben verschiedene lokale Künstler die Lamb Bananas bemallt und in der Stadt verteilt.
Den Abend ließ ich dann in den Pubs der Hope und Bold Street ausklingen, wo ich einfach nur den lokalen Cider in Gesellschaft der Einheimischen genossen habe.
Die Erschöpfung und Haufen emotionelle Eindrücke des ersten Tages haben irgendwann besiegt und nach dem ich ca. 1 Stunde diesen Ausblick aus dem Hostelzimmer genossen habe, schlummerte ich ein.
Am Fab Day Two stand Anfield am Speiseplan …






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