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Freitag, 2. Juli 2010

Good to have you here, Jenson!

Die Hälfte der Formel-1-Saison liegt schon hinter uns und alle blicken dem bevorstehenden Rennen in Silverstone (UK) entgegen (11.07.2010 14:00 RTL). Aber lass uns doch noch kurz auf die paar vergangenen GPs zurückblicken. Etwas sticht da nämlich deutlich ins Auge. Nein, ich meine nicht die Bullen und deren Überlegenheit. Ich meine eher die McLarens, oder besser gesagt, die McLaren-Fahrer. Warum? Nun, weil ich darüber nachdenken musste, wer dort eigentlich der Star im Team ist, wer der Liebling, wer profitiert nun eigentlich von wem und wie?

Als Jenson Button seinen Vertragsabschluß mit „Lewis-Hamilton-Racing“ (sprich: McLaren) bekannt gab, klopften sich alle Experten dieser Welt gegen die Stirn und bezeichneten es als sportlichen Selbstmord. Ich war auch skeptisch und besorgt, klar. Nach dem wir alle gesehen haben, wie Fernando Alonso bei McLaren (damals noch McLaren-Mercedes) behandelt wurde, war Besorgnis kein Wunder. Freiwillig zum McLaren zu gehen und zum Lewis’ Wasserträger zu werden – dachte ich damals – sei echt blöd und unüberlegt. Aber der Fuchs Jenson wusste, was er tut. Und alle konnten es vom ersten Rennen an sehen. Der Wechsel verlief ohne Störungen und war effektiv. Schon bei der McLaren-Launch zeigte er sich selbstbewusst, strahlend, man könnte fast sagen, erlöst und … echt glücklich. Die Chemie zwischen Team und ihm stimmt, er fühlt sich dort wohl. Vom ersten Rennen an zeigte Jenson, dass er bestens zu McLaren passt. Er war bereit zuzuhören und Neues zu lernen, um besser zu werden und um den zweiten Titel zu kämpfen. Er setzte sich gegen den im Team etablierten – ja, schon fast wie ein Eigentum – Kollegen, Lewis Hamilton. Und an dieser Stelle müsste man fragen, wer hier jetzt eigentlich von wem lernt? McLaren von Button? Oder umgekehrt? Lewis vom Jenson oder Jenson von Lewis? Oder jeder vom jedem? 


Meiner Meinung nach profitiert das Team, und vor allem Lewis, von Jensons Ankunft, als Button selber. Warum? Nun …
Lewis Hamilton galt schon immer als ein Supertalent, in letzter Zeit ist er noch besser geworden. Zum einen liegt es daran, dass er erwachsen/reifer geworden ist und vor allem daran, dass er jetzt einen Teamkollegen hat, an dem er sich messen kann. Nichts gegen Heikki Kovalainen, aber eine echte Herausforderung für den Britten war er nie gewesen. Jenson Button hingegen pusht Hamilton zu mehr Leistung: Der Teamkollege ist schließlich immer der Erste, den es zum Schlagen gibt.
Des Weiteren hat es damit zu tun, dass Lewis sich viel von Jenson abschauen kann, er hat Einblick in seine Daten, sieht, wie „Jens der Reinfenflüsterer“ mit den Pneus umgeht, und setzt das Gelernte ein. Fazit: Auf der Strecke ist er nicht mehr so aggressiv, kann seine Reifen schonen (was sich oft als entscheidend erweist) und macht weniger Fehler.
Aber das ist nicht alles. Jenson hat viel mehr Erfahrung und hilft auch bei der Entwicklung des Autos mit. Sehr sogar. Ein Punkt für das Team. Und für Lewis, weil der profitiert von den Entwicklungen schließlich auch. Button hat also nicht nur sich selbst eine Chance gegeben, den Titel zu verteidigen, er macht auch Lewis besser.

Aber! Das ist immer noch nicht alles! Da gibt es noch etwas, was der Lewis bitter nötig hatte: nämlich einen Imagewechsel. Ja! So ein Jenson Button ist beliebt. Nicht nur in der Heimat und nicht nur bei den Frauen. Alle lieben ihn: die Medien, die Experten, die Journalisten/innen, die Fahrer, die Hausfrauen, die Fußballer, die Tennisspieler, die Polizisten, die Kioskbesitzer, die …ekhm … einfach alle. Er ist freundlich, charmant, lieb, nett, witzig und - trotz des Erfolges – doch so herrlich normal. Ein Publikumsmagnet halt.

Lewis Hamilton hingegen ist in der vergangenen Saison nicht nur ziemlich in die Ungnade gefallen, mehr noch, er war nie wirklich beliebt. Er hat eher polarisiert und zwar so richtig. Klar, die Medien haben sich um ihn geprügelt, als er Weltmeister wurde, aber wegen seines … hmmm … unterkühlten Charakters war er nie ein Liebling geworden. Ich kenne niemanden, der gesagt hätte, dass er Lewis mag, weil er einfach ein netter Typ ist oder so … Naaa. Die Lügenaffäre, Streit mit Papa Hamilton und Fernando Alonso, Rumgezicke auf und abseits der Strecke haben nicht viel zur Popularität beigetragen. Eher im Gegenteil. Aber 2010 kam die Rettung in Sachen PR: der gute alte Jens. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, sie verstehen sich gut und es funktioniert für beide.


Wenn man sich die neue Vodafone-Werbung anschaut, sieht man es einfach, die Körpersprache sagt alles: Die McLaren-Jungs haben wirklich Spaß und – shocking!! – der Lewis hat auch Spaß und kann lachen. (!!) Tatsächlich lachen, nicht bloß grinsen. Hätte jemand gedacht, dass der stets so furztrockene, steife und langweilige L.H auch lustig und locker sein kann? Also ich nicht! Und das meine ich eben: Jenson lässt seinen Teamkollegen menschlich erscheinen, er tut ihm gut. Unbewusst. Weil er einfach so ist, wie er ist. Jenson ist einfach … Jenson.
Es gibt also so Vieles, was er ins Team gebracht hat und soviel was er dem Teamkollegen beibringt – auf und abseits der Rennstrecke. Lewis kann sich als glücklich schätzen, dass er ihn im Team hat. Jenson ist eine Herausforderung und gleichzeitig ein Freund. Wenn der Lewis es diesmal nicht verbockt, kann er als echter Sieger davonkommen. Der Fuchs …
Wer der Star im Team ist? Schwer zu sagen. Ich tippe auf Jenson, weil es leichter ist, sich mit ihm zu identifizieren. Weil er Weltmeister geworden ist, wenn ihn shcon alle abgeschrieben haben. Weil er durch Höhen und Tiefen zum Erfolg gekommen ist. Weil dies eben jeder von uns kennt. Weil er nicht perfekt ist und nicht so tut, als ob er es wäre. Weil er sich als einer von uns gibt und es auch ist.
Ja und außerdem … John Button ist der coolste Vater überhaupt, oder?!  ;-)
 



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