Wegen der privaten Geschehnisse in der letzten Woche war ich mit den Gedanken nicht ganz dabei, als die Formel 1 in Kanada gastierte. Das Rennen war spannend, wie immer in Montreal, aber mein Kopf konnte sich nicht genug konzentrieren, in meinen Gedanken bin ich immer wieder woanders gewesen. Deshalb gibt es diesmal keinen Rennbericht, nur ein paar Reflexionen.
Erstens: Lewis Hamilton gewann das GP von Kanada vor seinem Landsmann Jenson Button.
Zweitens: Es ist schön wieder auf dem Podium zu sein und ich meine hier Fernando Alonso. Das hat sich der Spanier nach dem Qualifying vorgenommen, und das hat er geschafft. Auch wenn der Start nicht der perfekteste war, im Rennen, dank kluger Reifenstrategie, hat sich alles stabilisiert und das Podium rückte immer näher. Gar paar Runden als Leader waren drin und wären da nicht die schnell abbauenden Reifen, der Verkehr und die überschnellen McLarens, hätten wir nach dem Rennen die spanische Hymne gehört. So war es aber die britische als Lewis Hamilton und Jenson Button wieder eine schöne Leistung zeigten und verdient gewannen. Jenson zeigte erneut, welch ein kluger Fahrer er ist, als er Alonso überholte während der sich hinter Karun Chandhok festfuhr. Just in dem Moment, als der Spanier Chandhok überholen wollte und einen Fehler machte, war Jenson zur Stelle und am Ferrari vorbei. Gut aufgepasst.
Jenson Button, Lewis Hamilton und Fernando Alonso
Aber noch mal zu Alonso: Im Boxenduell mit Lewis Hamilton hat er noch mal gezeigt, dass er Eier hat. Hut ab! Das ist Racing. Wie Niki Lauda sagte, „zum Glück gibt es noch keine Regeln, die so etwas verbieten würden, anders hätte uns dieses tolle Manöver leider erspart geblieben.“
Was gab’s noch? Jede Menge. Viele Boxenstopps (ganze 64), wechselnde Leader, abbauende Reifen, Strafen für Petrov, Kovalainen, Karun Chandhok, Lucas di Grassi und Timo Glock, nachträgliche Zeitstrafe für Felipe Massa, viele Überholmanöver, viele Berührungen, viele Emotionen und am Ende zufriedene (die drei Podium-Jungs), erleichtert aber leicht enttäuschte (Alonso), unzufriedene (Sebastian Vettel), gelassene (Mark Webber) und zerknirschte (Kai Ebel) Gesichter. Kurz um: Kanada GP war wieder schön.
Der Finger des Siegers: Lewis Hamilton i
Die Amateure haben auch nicht enttäuscht: Sebastien Buemi endete als Achter und erntete vier WM-Punkte. Schade, dass für seinen Teamkollegen Jaime Alquersuari diesmal irgendwie alles schief gelaufen ist: nur Position 12 und keine Punkte. Pedro de la Rosa musste erneut das Auto frühzeitig in der Garage abstellen, genauso wie Bruno Senna. Für Kamui Kobayashi endete das Rennen schon in der ersten Runde.
Ah, und Adrian Sutil holte wieder einen Punkt und ist in der Gesamtwertung immer noch auf Platz 10. Wie ein Kaugummi in den Haaren, den man nicht loswird, egal was man auch versucht … Vor dem Rennen spekulierte der Deutsche: „Für die einen wird es schlimm, für die anderen weniger schlimm. Ich orientiere mich nach vorne.“ … Ja, ja … orientiere Du dich, bitte, außerhalb der Formel 1 …
Aus deutscher Sicht: Ein gutes Rennen, es gibt nichts zu meckern (Vettel auf P4, Nico Rosberg auf P6, Sutil auf P10, gleich dahinter Schumi und Nico Hülkenberg auf P13) es konnte schlimmer werden, wie es jemand so schön irgendwann sagte … Ekhm … Na gut, Schumi könnte etwas zu meckern haben, denn sogar die beiden Force Indias rauschten auf der Schlussrunde an ihm vorbei. Curry zum Abendessen gab es sicherlich nicht ...
Und aus meiner Sicht: Perfekt! Wieder auf dem Podium, wieder dort, wo man hingehört. Das nächste Mal wird es das höhere Treppchen.
In der Weltmeisterschaft bleibt nach acht von 19 Rennen alles offen: Hamilton (109) Punkte hat erstmals die Führung übernommen, doch Button (106), Webber (103), Alonso (94) und Vettel (90) könnten rein rechnerisch mit einem einzigen Sieg (oder weniger) an ihm vorbeigehen. Nico Rosberg verbesserte sich auf Rang sechs (74) dahinter folgt Robert Kubica (73) und Felipe Massa (67). Die Top Ten runden Michael Schumacher (34) und Adrian Sutil (23).
Bei den Konstrukteuren liegt nun McLaren (215) vor Red Bull (193), Ferrari (161) und Mercedes (108).


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