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Montag, 17. Mai 2010

Monaco GP – Mark Alonso: we salute you!

Mark Webber gewinnt den Klassiker mit vier Safety-Car-Phasen vor Sebastian Vettel und Robert Kubica. Fernando Alonso startet als Letzter, um als Sechster zu enden, während Michael Schumacher eine Strafe kassiert.
Das meist erwartete und gesehene Rennen des Jahres hat mal wieder nicht enttäuscht. Es gab alles, was das Herz begehrt: Spannung und Glamour, Ausfälle und Unfälle, legale und illegale Überholmanöver und vieles mehr; je nachdem, wem man die Daumen drückt. 
 Der berühmteste Hintergrund in der Formel 1: Monaco
Unterm stärksten Strom standen die Fernando Alonso Fans. Der Spanier fuhr Bestzeiten in beiden freien Trainings und galt als Favorit für die Pole und das Rennen, aber in dem dritten freien Training passierte es … Ein Unfall. Alonso verlor die Kontrolle über sein Auto und schurrte gegen die Leitplanke. Das Ergebnis: Der Bolide wurde nicht rechtzeitig zum Qualifying fertig und so musste Alonso aus der Boxengasse ins Rennen gehen. Und hier muss man den Kopf neigen. Der Asturier sprintete durch das Feld und überholte ein Auto nach dem anderen und … endete als Sechster. Aber das war noch längst nicht alles, was in Monaco passierte. Fangen wir mal an …

Die Qualifikation 
Mark Webber setzte seine Topform mit einer Pole-Position auf dem berühmten Stadtkurs fort. Der Australier war bisher an diesem Wochenende eher unauffällig unterwegs, packte aber im entscheidenden Moment sein Selbstvertrauen vom Sieg in Barcelona aus und fuhr zum zweiten Mal hintereinander Bestzeit im Qualifying - 1:13.826 Minuten. Das reichte letztendlich relativ locker, um Robert Kubica (+0,294) zu schlagen. Sein Teamkollege, Sebastian Vettel wurde Dritter und saß wieder ein wenig zerknautscht und sichtlich unzufrieden in der Presse Konferenz. Der zweite Renault-Pilot, Vitaly Petrov, belegte nur den 14. Platz. Die "Rakete von Wyborg" crashte im Q2 und sorgte damit für den einzigen Unfall eines ansonsten recht ruhigen Nachmittags.
Ferrari hatte sich vorgenommen, auf die Pole-Position loszugehen, trat aber nur mit einem Auto an. Felipe Massa fuhr Bestzeit in Q1 und war in Q2 Zweiter hinter Nico Rosberg im Top-10-Finale konnte er jedoch nicht ganz mit den Schnellsten mithalten und belegte mit einer halben Sekunde Rückstand den vierten Platz. Fünfter wurde Hamilton, der das interne Stallduell gegen Jenson Button (8.) um zwei Zehntelsekunden für sich entscheiden konnte.
Rubens Barrichello (Williams) und Überraschungsmann Vitantonio Liuzzi (Force India) rundeten die Top 10 ab. Nico Hülkenberg (Williams) lieferte bei seiner Formel-1-Premiere in Monte Carlo eine ordentliche Leistung ab und verpasste den P10 nur um 0,167 Sekunden. Ausgerechnet WM-Leader, Weltmeister und Vorjahressieger Jenson Button zitterte sich als Zehnter ins dritte Qualifying.
In Q2 schieden unter anderem Adrian Sutil (Force India/12.) und Sébastien Buemi (Toro Rosso/13.) aus, ebenso die beiden Sauber-Piloten, die nahtlos an die enttäuschende Performance in den Trainings anknüpften.
Schnellster Vertreter im Q3 war Heikki Kovalainen (Lotus), dem letztendlich nur 2,337 Sekunden auf die Bestzeit fehlten. Jarno Trulli im zweiten grün-gelben Boliden verlor das Stallduell um 40 Tausendstelsekunden. Bei Virgin hieß der teaminterne Sieger Timo Glock, bei HRT Bruno Senna.
Kleine Randnotiz für die Fans da draußen ( ;-) ): Kimi Räikkönens Streckenrekord von 1:13.644 Minuten, aufgestellt 2005 in einem McLaren, wurde nicht gebrochen ...

Das Rennen
Was haben wir denn nicht alles gehabt! Unfälle und Ausfälle in allen Variationen und Konfigurationen, die Kreativität der Fahrer hatte kein Ende. Von der ersten Runde an überschlugen sich die Ereignisse (und Fahrer) auf dem meist glamourösen aller Circuits. Wichtige Erkenntnis: Die Amateure haben nicht enttäuscht, man muss sich keine Sorgen mehr machen, die Ordnung wurde wieder hergestellt. Dazu muss man ganz am Anfang sagen, dass nur die Hälfte der Autos ins Ziel kam: Ganze 12 von 24 sind rausgefallen.
 Hat alles unter Kontrolle: Mark Webber
Das Rennen startete und endete mit einem Unfall und Safety Car. Nico Hülkenberg „eröffnete“ den GP mit einem Unfall, als er gleich bei der ersten Tunneldurchfahrt voll in die Leitplanken krachte! Das zweite Opfer war ausgerechnet WM-Leader Jenson Button. Die McLaren-Mechaniker hatten sich in der Startaufstellung einen peinlichen Fehler geleistet: Sie haben ein Kühlgerät vergessen. Dadurch überhitzte sich der Motor …
In der 17. Runde eröffnete Lewis Hamilton die Serie der Boxenstopps, deren großer Verlierer war Barrichello, der erst hinter Schumacher zurückfiel und dann mit einem Crash bei Massenet für die zweite Safety-Car-Phase sorgte.
Damit waren auf einen Schlag die 15,3 Sekunden Vorsprung von Spitzenreiter Webber, der wieder mal einen tollen Start hingelegt hat und den anderen mit beinahe kosmischen Tempo wegfuhr, beim Teufel, der jedoch durch nichts aus der Ruhe zu bringen war und sich sofort wieder absetzen konnte. Zehn Runden später dann schon die nächste Safety-Car-Phase, diesmal jedoch ohne Crash: Im Bereich von Massenet hat sich ein Gullydeckel gelöst.
Unabhängig davon fuhr Robert Kubica seinen sensationellen dritten Platz sicher nach Hause – und hier muss man zugeben, dass am Anfang der Saison niemand gedacht hätte, dass der Pole in Monaco mit diesem Renault auf dem Podium landen wird. Dahinter wurde Massa Vierter und Hamilton Fünfter. Schumacher fuhr als Sechster vor Alonso über die Linie - unter Vorbehalt (illegaler Überholmanöver der nach dem Rennen von den Rennkommissaren untersucht wurde und Alonso doch den 6.Platz behalten konnte). Die restlichen Punkteränge gingen an Rosberg, Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi. Sébastien Buemi wurde undankbarer Elfter.
Beendet wurde das Rennen nach einer riesigen Schrecksekunde hinter dem Safety-Car: Jarno Trulli (Lotus) setzte wenige Runden vor Schluss im Kampf um Platz 14 in der engen Rascasse-Kurve ein waghalsiges Manöver gegen Karun Chandhok, das nicht funktionierte. Trulli rutschte nach außen, hob ab und hätte beinahe den Kopf des Inders gestreift. Zum Glück überstanden beide die Situation unverletzt. Und zum Glück hat Mark Webber gut aufgepasst, denn er war nah genug, um involviert zu werden und das Rennen wäre somit beendet … So weit ist es aber nicht gekommen.
Tatsächlich abgewunken wurden nur zwölf der 24 gestarteten Autos, denn Vitaly Petrov stellte seinen Renault während der letzten Safety-Car-Phase noch an der Box ab, wurde aber ebenso gewertet wie Chandhok und Trulli. Bisher noch nicht erwähnt wurden die Ausfälle von Heikki Kovalainen Bruno Senna sowie den beiden Sauber- und Virgin-Piloten. Bei Timo Glock schien eine Radaufhängung kaputt gegangen zu sein.

Der Sieger
Der Kameramann kam gar nicht hinterher, so eilig hatte es Mark Webber mit der Champagnerflasche in den Händen zur Champagnerdusche. Und verschont blieb keiner der nah genug stand, als der vor Freude losgelöste Australier mit dem Feiern loslegte.
Mark Webber, schon vor einer Woche in Barcelona eine Klasse für sich, fuhr auch im Fürstentum wie entfesselt und ließ sich nicht einmal von vier Safety-Car-Phasen, durch die sein Vorsprung immer wieder zunichtegemacht wurde, irritieren. Respekt! Ausnahmsweise muss man Heiko Wasser Recht geben: Es war nicht mehr ein Wind, es war ein australischer Orkan, der durch die Straßen von Monaco stürmte!
Nach 78 Runden oder einer Rennzeit von 1:50.13 Stunden triumphierte Webber vor seinem Teamkollegen Sebastian Vettel und Robert Kubica - als erster Australier seit Jack Brabham im Jahr 1959!
Aber eigentlich gab es in Monaco zwei Sieger … Den eigentlichen (Mark Webber) und einen heimlichen … Der da wäre? Fernando Alonso. Nach seinem Pech in dem 2. Freien Training wurde er während der Qualifikation zum Zuschauen verdammt und für dass Rennen galt schon eigentlich als abgeschrieben. Aber … Nicht durch Zufall wurde er zweimal Weltmeister … Ob man Fan ist oder nicht, am heutigen Sonntag müsste eigentlich jeder dem Asturier salutieren, denn diese Aufholjagd war eine Klasse für sich. Als 24. Gestartet und auf P6 das Rennen beendet. Eine rote Kappe reicht da nicht aus … (Objektivität hin oder her: Meine gesamte Garderobe reichte mir heute bei Weitem nicht aus.) Durch Michael Schumachers Überholmanöver auf den letzten Metern wurde die Freude ein wenig getrübt: lange wusste man nicht ob es jetzt Platz sechs oder sieben geworden ist. Was ist passiert? Der fünffache Monte-Carlo-Sieger wärmte intensiv die Reifen auf und überholte auf den letzten Metern noch den vor ihm liegenden Alonso, nachdem das Safety-Car für die Zieldurchfahrt an die Box abgebogen war. Legal oder illegal? Die Diskussion hat begonnen … Aber die Rennkommissare haben sich (na, wenn das nicht etwas ist!) für Alonso entschieden. Michael Schumacher wurde nachträglich mit 20 Sekunden Strafe belegt. (Nach dem Rennen legte Mercedes ein Protest gegen diese Entscheidung ein.)
Mark Webber hatte solche Sorgen nicht: er wusste gleich nach dem mit der Flagge gewedelt worden ist, dass er der Sieger ist. Ein starkes Rennen, das nicht nur die Reifen und das Auto beanspruchte, aber auch die Nerven … Und wie. Dir Kritiker, die die mentale Stärke des Australiers kritisierten, sollten sich jetzt langsam über seinem Teamkollegen Sorgen machen …
Aus deutscher Sicht: ein sehr gutes Rennen, wenn man die Schumacher-Strafe weglässt. Aus meiner: Tolle Performance aber es konnte besser werden, wenn da der Unfall nicht wäre …
Und ... Adrian Sutil hat endlich mal wieder Mist gebaut (2. Freies Training). Alles ist wieder in Ordnung. Ich kann aufatmen … Ich kann wieder ruhig schlafen.

In der Fahrer-WM führt nun Webber vor Vettel (je 78 Punkte) - der Australier hat einen Sieg mehr auf dem Konto. Dahinter folgen Alonso (73), Button (70), Massa (61), Kubica, Hamilton (je 59) und Rosberg (56). Die Top Ten runden Michael Schumacher mit 22 und Adrian Sutil mit 20 Punkten ab.
Bei den Konstrukteuren führt jetzt auch Red Bull (156) vor Ferrari (134), McLaren (129) und Mercedes (84). 


Bereits in zwei Wochen geht es weiter mit dem Grand Prix der Türkei in Istanbul. Wird Webber wieder Geschichte schreiben? Wird Alonso ihn verhindern können? Wird Adrian Sutil endlich seine Sonnenbrille während des Interviews abnehmen? Wird Sebastian Vettel ein Grund zur Zerknautschheit haben? Wie zerknautscht kann er noch werden? Gibt es dort Grenzen? Man! Fragen über Fragen …

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