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Montag, 10. Mai 2010

Barcelona GP: Webber did the job

Drei Männer und zugleich drei Überraschungen auf einem Podium. Auch wenn Mark Webber von der Pole gestartet ist, trauten ihm nicht alle ein Sieg zu. Nur Niki Lauda hat es mal wieder gewusst. Sebastian Vettel wurde „enttäuschend“ Dritter und Fernando Alonso überraschend Zweiter.

Die spanischen Fans hätten sich natürlich ihren Lokalmatadoren auf dem obersten Podesttreppchen gewünscht, oder am liebsten alle drei Spanier (Jaime Alquersuari und Pedro de la Rosa) aus dem F1-Paddock. Am Ende ist es nur eine kleine Fiesta geworden – Mark Webber stahl Show und beanspruchte den Circuit de Catalunya ganz für sich: souverän von Anfang bis Ende. Besser noch: sogar in der Qualifikation war er unschlagbar und langsam werden die Red Bulls ein wenig unheimlich …

Die Qualifikation
Der „Red Bull verleiht Flügel“-Werbespruch scheint tatsächlich zu funktionieren. Zumindest in der Formel 1. Fünfte Pole Position des Jahres ging wieder an Red Bull. Mark Webber schnappte sich in der letzten Sekunde das begehrte Plätzchen an der Spitze des Feldes, Zweiter wurde sein Stallgefährte Sebastian Vettel. 
Der einzige der mit den Red Bulls mithalten konnte, Lewis Hamilton im McLaren, fuhr 1:20.829 Minuten. Neben Hamilton startete Fernando Alonso bei seinem Heimspiel von Platz 4. Die dritte Startreihe teilten sich WM-Leader Jenson Button und Rekordweltmeister Michael Schumacher. Nico Rosberg startete von P8 – es war das schlechteste Qualifikationsergebnis in dieser Saison.
Im Q1 scheiterten die üblichen Verdächtigen: die drei neuen Teams Lotus, Virgin und HRT. Die Spitze der Hinterherfahrer führten Jarno Trulli und Heikki Kovalainen auf 19 und 20 an. Williams-Pilot Rubens Barrichello schied als 18. aus.
Strafen gab es ebenfalls zu Genüge: Neben Vitaly Petrov erhielten auch Karun Chandhok, Timo Glock und Lucas di Grassi eine Strafversetzung um jeweils fünf Startplätze. Petrov und Chandhok mussten das Getriebe wechseln lassen, die beiden Virgin-Fahrer wurden bestraft, weil ihr Team die Getriebeübersetzung zu spät bei der FIA bekannt gab.
Einer fetten Strafe ist hingegen Fernando Alonso entgangen: in der Boxengasse verursachte fast einen Unfall in dem er Nico Rosberg „vor die Nase“ gefahren ist. Am Ende ist nur das Ferrari-Team mit einer Geldstrafe verhängt worden, Alonsos P4 blieb sicher.

Das Rennen
Es war wieder ein „was wäre wenn?“-Tag. Vor allem für Lewis Hamilton, der als einziger mit dem überragenden Red Bulls mithalten konnte. Leider folgte zwei Minuten vor dem Rennende das Aus für den Engländer und eine Party bei Ferrari, denn somit wurde Fernando Alonso doch noch Zweiter. Auch Sebastian Vettel hat von Lewis’ Pech Profitiert: Der Heppenheimer wurde Dritter, auch wenn er deswegen nicht unübersehbar enttäuscht war. 
 F.Alonso, Mark Webber, S.Vettel: Wo ist ein Fehler ...?
Ramble!!!
Eins muss man gegenüber Mark Webber unbedingt loswerden: Respekt, Mann! Oder eine rote Kappe ziehen, falls man eine besitzt … Der Australier fuhr überlegen einen genialen Start-Ziel-Sieg ein. Der erste Sieg von der Pole Position in diesem Jahr und der zehnte in Serie in Barcelona. Nur in der ersten Kurve musste Webber sich kurz gegen seinen Teamkollegen Sebastian Vettel zur Wehr setzen, hinter dem auch Lewis Hamilton angeschossen kam. Danach fuhr Webber dem Feld auf und davon und kontrollierte das Rennen nach Belieben.
Vettel verpasste seine Chance auf Platz zwei und 18 WM-Punkte beim ersten Boxenstopp, der wegen eines Problems mit der Radmutter vorne rechts länger als nötig dauerte und ihn die entscheidenden Zehntel kostete. Kurz sah es auch aus, als ob ein Podiumsplatz nicht drin wäre, doch dank Hamiltons Pech landete „Der Seb“ doch noch auf Platz drei.
Die spanischen Fans hatten dagegen das bekommen, was sie sich gewünscht haben: Fernando Alonso rutschte bei seinem Heimrennen auf das Podium. Zwar stand er nicht auf dem höchsten Treppchen, aber ein Podiumsplatz ist ein Podiumsplatz. Und wichtige WM-Punkte.
Platz 4 belegte Michael Schumacher, der sein bestes Comeback-Ergebnis einfuhr. Leicht war es jedoch nicht: Rundenlang musste er sich gegen Jenson Button verteidigen, ehe dieser es langsamer angehen ließ, da er trotz Geschwindigkeitsvorteil auf der Geraden nicht vorbeikam. Gleichzeitig war es das spannendste Duell des Rennens: Der eine gab nicht auf und der andere nach.
Die Top10 komplettierten Felipe Massa, Adrian Sutil, Robert Kubica, Rubens Barrichello und Jaime Alquersuari, der wieder eine sehr gute Leistung gezeigt hat: trotze Durchfartsstarfe udn verkorkstem Boxenstopp hollte er für das Toro-Rosso-Team ein Punkt.
Pech bleibt hingegen an Bruno Senna, wie ein altes Kaugummi am Schuh, „kleben“. Der Brasilianer ging schon in der ersten Runde etwas übereifrig zu Werke und landete im Kiesbett. Ebenfalls früh raus waren Lotus-Pilot Heikki Kovalainen, der wegen eines Getriebeproblems gar nicht erst startete, und Pedro de la Rosa, der sich erst einen Reifenschaden bei einer Berührung mit Sebastien Buemi einhandelte und danach seinen Sauber an der Box abstellen musste. Auch Sebastien Buemi sah die Zielflagge nicht.

Der Sieger
Endlich ist es ihm gelungen, dem sympathischen Australier, ein Rennen von der Pole aus zu gewinnen. Lange galt er als einer, der im Qualifying zwar sehr schnell ist, aber im Rennen nicht die richtige Konstanz beweisen kann. Er galt auch als einer, der mit dem Druck des Polesetters nicht umgehen kann und deshalb wurde er in Barcelona nicht als der mögliche Gewinner eingeschätzt. Sicher war nur, dass ein Red Bull gewinnen wird, denn mit deren, fast schon unheimlichen Speed, konnte keiner richtig mithalten. Nur das es diesmal der andere geworden ist: Der alte Hase im Geschäft - Mark Webber. 
 Durch den Wind - Mark Webber
Auch wenn er auf dem Podium sehr reserviert wirkte, hat es innen sicherlich nur so gebrodelt! Die meisten Fahrer kriegen sich gar nicht mehr ein vor Freude und hüpfen nur so aus dem Auto raus, um so schnell wir möglich ein Sieg zu zelebrieren. Nicht so Mark Webber. Sehr langsam stieg er aus seinem Red Bull mit der Nummer 6 aus, als ob er jede Sekunde bis zum Limit auskosten wollte. Nur das breite Grinsen und der, ach so jugendhafter, Sprint zum Podium  zeigte die große Freude am Sieg. Man darf ihn aber nicht missverstehen: Jeder hat seine eigene Art sich zu freuen und zu zelebrieren. Nicht zu vergessen die Schumacher-Sprünge, der Vettel-Finger oder die Button-Ständchen ...
Mark Webber fuhr bis jetzt immer (und buchstäblich) im Sebastian Vettels Schatten. Mit diesem Sieg hat er bewiesen, dass man noch durchaus mit ihm rechnen kann. Er braucht nur ein gutes Auto unter dem Popo …

Aus deutscher Sicht: ein ziemlich gutes Rennen. Aus meiner: Perfekt!
Und ... Adrian Sutil hat ganze vier Punkte geholt und wieder (!) kein Mist gebaut. Langsam fange ich an mir Sorgen zu machen …

In der Fahrer-WM führt immer noch Button (70 Punkte) vor Alonso (67) und Sebastian Vettel (60). Mark Webber liegt mit 17 Punkten Rückstand auf Platz 4. Nico Rosberg fiel auf Position fünft zurück (50) vor Lewis Hamilton und Robert Kubica, die beide 49 Punkte auf dem Konto stehen haben. Die Top Ten runden Michael Schumacher mit 22 und Adrian Sutil mit 16 Punkten ab.
Die Konstrukteurswertung führt weiterhin McLaren vor Ferrari und Red Bull an. 

Bereits in einer Woche fährt der F-1-Zirkus in Monaco. Mark Webber wird dort in der Überzeugung hinfahren, dass er der richtige Mann im richtigen Auto ist, um das meist prestigeträchtige Rennen des Jahres zu gewinnen. Wird es Sekt oder Selters? Oder doch Martini …?

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