Read all about it!!

Loading...

Dieses Blog durchsuchen

Wird geladen...

Dienstag, 6. April 2010

Kamui Kobayashi: Das Porträt

In der F1-Saison 2010 wimmelt es in der Boxengasse von neuen Gesichtern. Deshalb werde ich mich in den kommenden Tagen mit den einzelnen Porträts aller Fahrer beschäftigen. Jeden Tag werde ich einen Fahrer vorstellen und seinen Werdegang analysieren. Die dreiundzwanzigste Folge widme ich dem, zurzeit, einzigen japanischen F-1-Fahrer, Kamui Kobayashi. In der letzten Saison hat er viele mit seinem Können überrascht und beeindruckt. Deshalb ist die Sauber-Verpflichtung für 2010 nur logisch. Wird der kleine Japaner weiter überzeugen können?
Man muss ihn einfach gern haben: Er strahlt, er lacht, er wirkt wie die personifizierte Leichtfüßigkeit. Er liebt Entspannung am Strand, "Carpe diem" ist sein Credo. Im Rennwagen allerdings verliert Kamui Kobayashi seine Harmlosigkeit, das hat er Ende 2009 bei seinen ersten beiden Grands Prix auch schon den Formel-1-Kollegen gezeigt.
Kobayashi kommt aus einfachen Verhältnissen, sein Vater betreibt ein Sushi-Restaurant in Amagasaki, westlich von Osaka. Weder die Eltern noch der ältere Bruder oder die jüngere Schwester teilen seine Rennleidenschaft. Schon als kleiner Knopf lag Kobayashi seinem Vater mit dem Wunsch nach einem fahrbaren Untersatz in den Ohren. Als Neunjähriger war es so weit: Mit der vorübergehenden Unterstützung seines Vaters und von Yamaha begann er im japanischen Kartsport. Mit Siegen empfahl er sich für die Nachwuchsförderung von Toyota und gelangte nach Europa. Seither sieht er seine Familie nur noch selten. Selbst wenn er nach Japan reist, dann ist eher Tokio denn Osaka sein Ziel. Er lebt die Unabhängigkeit, die er sich als Teenager erwarb.
Als 17-Jähriger zog Kamui nach Italien, um dort 2004 die Formel Renault zu bestreiten. "Ich bekam ein Apartment und viel Hilfestellung von Toyota", erinnert er sich dankbar. Mit den Belangen des Alltags war er indes allein in der Fremde. Japanisch war damals die einzige Sprache, die er beherrschte. Im Supermarkt konnte er Shampoo nicht von Geschirrspülmittel unterscheiden. "Jeder Tag war eine Herausforderung", erzählt er fröhlich. "Und die Italiener waren so ganz anders als die Japaner. Wir sind eher wie die Deutschen - sehr pünktlich und sehr korrekt. Ich mochte die italienische Lebensart sofort." War da nicht auch Einsamkeit? "Es war schon manchmal hart, aber ich wusste ja, was ich wollte. Um Rennfahrer zu werden, war ich am richtigen Platz."
Trotz aller Europäisierung antwortet er wie vom Bogen geschnellt "Ja natürlich!" auf die Frage, ob er denn stolz sei, Japaner zu sein. Das spiegelt sich auch in seinem Helmdesign wider: Die rote Farbe nimmt das Rot aus dem Mittelpunkt der Nationalflagge auf.
Kobayashis Faszination für den Rennsport verdichtet sich in einem Wort: Kampf. Furcht im Rennwagen kennt er nicht. Siege sind das Ziel. Das will so gar nicht zu seiner privaten Lässigkeit passen, doch die Trennung wirkt ebenso mühelos wie authentisch. Selbst beim Wetter unterscheidet er zwischen Freizeit und Profession: "Ich kann Regen nicht ausstehen", gibt er zu, "es sei denn, ich sitze im Rennwagen. Dann ist er eine Herausforderung."
Formel-1-Historie beginnt für ihn um das Jahr 2003. "Ab da habe ich Michael Schumacher und Fernando Alonso kämpfen sehen und wollte selbst in die Formel 1." Mit früheren Epochen der Königsklasse kann er nichts anfangen, die hat er nicht verfolgt.
2005 gewann Kamui sowohl die Italienische Formel Renault als auch den Eurocup der Serie. Beide Titel in einem Jahr hatte zuvor nur Felipe Massa geholt. Weiter ging es in die Formel-3-Euroserie und am Jahresende nach Macao: Auf dem extrem schwierigen Parcours holte er die Pole-Position, gewann dann auch das Qualifikationsrennen und eine gute Portion Selbstvertrauen. 2007 wurde mit einem Sieg im französischen Magny-Cours und weiteren Podestplätzen Platz vier in der Gesamtwertung der Euroserie und Beförderung erreicht. Bereits Ende 2007 berief ihn Toyota zum Formel-1-Ersatzmann ab 2008.
Die Ersatzbank in der Formel 1 ist heutzutage eher eine Strafbank - es wird kaum noch getestet, dennoch ist maximale Leistungsbereitschaft für den Ernstfall gefragt. Kobayashi bestritt 2008 und 2009 die GP2-Serien in Asien und Europa. In der europäischen GP2 gelang ihm früh ein erster Sieg. Im Winter 2008/2009 gewann er überlegen den Titel in der GP2 Asia. Umso größer war das Staunen, als er 2009 in der GP2-Hauptserie nicht an diese Erfolge anknüpfen konnte. "Wir haben bis heute nicht verstanden, was da schief lief", sagt der frühere DAMS-Pilot. "Umso wertvoller war gerade in dieser Situation die Chance in der Formel 1 für mich. Insofern war der Große Preis von Brasilien 2009 wahrscheinlich das wichtigste Rennen meiner bisherigen Karriere", reflektiert er sein Einspringen für Timo Glock und ergänzt selbstkritisch: "besser war ich aber beim GP2-Rennen in Dubai und beim Formel-1-Finale in Abu Dhabi."
Kobayashi hatte sieben Monate nicht mehr in einem Formel-1-Rennwagen gesessen, als er am 2. Oktober 2009 zum Freien Training in Suzuka für Glock ins Toyota-Cockpit stieg. Zwei Wochen später bestritt er sein erstes von bisher zwei Formel-1-Rennen. Bei seinem Debüt in Interlagos verpasste der 23-jährige als Neunter im Rennen (Elfter im Qualifying) nur knapp die Punkteränge. Beim Saisonfinale in Abu Dhabi startete Kamui als Zwölfter, profilierte sich als bester Pilot mit einer Einstoppstrategie und holte drei Punkte für Platz sechs. In beiden Rennen fiel er durch Zweikampfstärke auf, in Abu Dhabi zudem durch sein Vermögen, eine Rennstrategie mit Kalkül umsetzen zu können.
Nachdem sich Toyota aus der Formel 1 zurückgezogen hatte, bestätigte Peter Sauber Kobayashi am 17. Dezember 2009 als ersten Fahrer des Sauber-Teams für die Saison 2010. Sein Teamkollege wurde Pedro de la Rosa. Beim Saisonauftakt in Bahrain schied der Japaner mit Hydraulikproblemen aus.

Fakten zur Person:            (stand: 01.04.2010)

Geburtsdatum:                     19.10.1981
Geburtsort:                           Aamagasaki (Japan)
Wohnort:                              Paris (Frankreich)
Stärken
:                                - kämpferischer Fahrstil
                                             - begeisterungsfähig und motiviert
Karriereweg:                         - Beginn im Kartsport (1996)
                                             - 1. Japanische Junioren-Kartmeisterschaft (2000)
                                             - 1. Japanische Kartmeisterschaft (2001)
                                             - Formel Esso-Toyota (2002)
                                             - 2. Formel Esso-Toyota (2003)
                                             - Aufnahme in den Toyota-Nachwuchskader (2004)
                                             - Ausfall als Führender, Formel Renault in Macao (2004)
                                             - 1. Italienische Formel Renault (2005)
                                             - 1. Formel-Renault-Eurocup (2005)
                                             - 8. Formel-3-Euroserie (2006)
                                             - 4. Formel-3-Euroserie (2007)
                                             - 6. GP2 Asia (2008)
                                             - 16. GP2 (2008)
                                             - 1. GP2 Asia (2009)
                                             - 16. GP2 (2009)
Karriere in der F1:                - Testfahrer Toyota (2008-2009)
                                             - Sauber (2010)
Formel1-Debüt:                      18.10.2009 beim GP Brasilien / Interlagos
                                                Im Alter von: 23 Jahren und 36 Tagen
Erste Punkte:                          Platz 6
                                                01.11.2009 beim GP Abu Dhabi / Abu Dhabi
                                                Im 2. Rennen der Karriere
Erster Sieg:                                  --
Erste Poleposition:                       --
Weltmeistertitel:                          0
Starts:                                          4
GP-Siege:                                    0
Punkte:                                        3
Schnellste Rennrunden:             0
Poles:                                          0

Langsam aber sicher nähere ich mich dem Ende meiner Reise durch den F-1-Paddock. Morgen mache ich meinen letzten Boxenstop: in Indien. Das Land des Currys hat jetzt nicht nur ein eigenes Team (Force India F1 Racing), sondern auch seit sehr, sehr kurzer Zeit einen Fahrer. Mit seinem Einstieg in den Motorsport hat Karun Chandhok Geschichte geschrieben.

Zahlen: motorsport-total.com                                          (am)

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen