Bereits das letzte Jahr in der Formel 1 war turbulent genug: Lügenaffären und Crashgates; Doppeldiffusors, neue Fahrer, Präsidenten und Weltmeister ... Um nur die wichtigsten Ereignisse zu nennen, die der Fan zu verfolgen hatte. Doch die jüngste Saison 2010, die schon in paar Tagen an den Start geht, wird das alles um einiges übertreffen. So sieht es zumindest aus.
Nach den abgeschlossenen Testläufen können sowohl die Fahrer als auch die Fans nicht mehr abwarten, um an den Start zu gehen. Oder besser gesagt: Die einen werden auf den Start gehen und die anderen den Ersten dabei zusehen und mitfiebern.
Aber warum sollte diese Saison so anders und besonders werden? Nun, es kommt so Einiges auf uns zu. Diverse Regeländerungen, neuen Teams und Fahrer und, natürlich, das Comeback des Jahres: Der Rekordweltmeister Michal Schumachers will es noch mal wissen und steigt wieder ins Cockpit, um sich mit den viel jüngeren Fahrern zu messen.
Diese Ereignisse sorgten für ordentliche Spannung schon im Vorfeld der Saison.
Neue Teams und Fahrer
Der Ausstieg der Teams wie Honda, Toyota und BMW hat für kurze Zeit sogar die ganze Klasse infrage gestellt, wurde aber gleichzeitig eine Chance für kleinere Teams, um in der Königsklasse des Motorsports mitzumischen. Mit Lotus, Virgin Racing, Sauber Ferrari und Hispania Formel 1 Racing (vormalig Campos Meta) gehen gleich vier neue Teams mit auf den Start. Noch bis gestern war ein viertes Team auf dieser Liste: USF1, der aber wegen Geldproblemen seine Teilnahme im diesjährigen F1-Zirkus absagen musste. Der Teamchef, Ken Anderson, hofft in der Saison 2011 einsteigen zu können.
Es ist klar, dass die „Neuen“ nicht sofort im Kampf um den Titel mitmischen werden, aber Überraschungen sind so gut wie vorprogrammiert.
Die ganze letzte Saison stand unter einer Frage: Kommt Michael Schumacher zurück oder nicht? Nachdem das Dilemma um die angebliche Ferrari-Zukunft seines Erzrivalen, Fernando Alonso, schon im September mit „Ja“ beantwortet werden konnte, mussten die Schumi-Fans lange auf die Bekanntgabe der Entscheidung warten. Als das Mercedes-Cockpit endlich zugesagt worden ist, konnten sich auch die anderen Teams endlich festlegen.
Und so steigen beim Renault gleich zwei neue Fahrer ins Cockpit ein: Robert Kubica und Vitaly Petrow, der erste Russe in der F-1-Geschichte. Auch Williams besetzt seine Fahrstühle neu: Mit dem Oldie Rubens Barrichello und dem jungen Deutschen Nico Hülkenberg hofft das Team die perfekte Mischung aus Erfahrung und jungen Blut gefunden zu haben. Auch das neue-alte Lotus-Team setzte auf diese Mischung und nahm Heikki Kovalainen und „den alten Hasen“ Jarno Trulli, den Ex-Kollegen von Timo Glock.
Der „alte“ Williams-Fahrer Nico Rosberg will 2010 an der Seite seines Jugendidols Schumachers bei Mercedes GP gleich um die Weltmeisterschaft kämpfen. Der Vizemeister der vorigen Saison, Sebastian Vettel bleibt bei Red Bull, ebenfalls wie sein Team-Kollege Mark Webber.
Timo Glock, der nach Toyotas Ausstieg zunächst ohne Arbeit war, fand sie dann im neu gegründeten Virgin-Racing-Team des exzentrischen Richard Branson. Der zweite Sitz ging an den Brasilianer Luca di Grassi. Der letzte Deutsche, Adrian Sutil, bleibt bei Force India und bekommt Unterstützung von dem F-1-Rückkehrer Vitantonio Liuzzi, der früher für Toro Rosso gefahren ist. Die „kleine Schwester“ des „großen Bullen“ setzte auf den Schweizer Sebastien Buemi und den derzeit jüngsten Fahrer in der F1, den Spanier Jaime Alguersuari, der Mitte 2009 in der Klasse debütiert hat. Der zweitälteste Fahrer im Feld und Jaimes Landsmann, Pedro de la Rosa, der seit Jahren für McLaren-Mercedes getestet hat, wird zusammen mit „der Sensation“ des vergangenen Jahres, Kamui Kobayashi, für das wieder gegründete Sauber-Team fahren. Lediglich der Hispania F-1-Team hat bis jetzt nur einen Fahrer bestätigt, der aber eine der großen Fragen ist: Bruno Senna, der Neffe des legendären Ayrton Senna.
Haben wir jemanden vergessen? Natürlich nicht. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: das Ferrari Team geht mit Fernando Alonso und Felipe Massa als Teamkollegen an den Start. Die Latino-Fahrerpaarung im italienischen Rennstall. Na, wenn das schon nicht abenteuerlich genug klingt? Wird sich Alonso gegen seinen alten Gegner, Schumacher, noch mal durchsetzen können? Das alte Duell fängt wieder and die Spannung steigt.
Neue Regeln
Auf der technischen Seite ist das neu eingeführte Tankverbot die größte Veränderung gegenüber der vergangenen Saison. Ab 2010 gehen die Formel-1-Autos mit ca. 230 Liter Sprit ins Rennen. Deswegen musste einiges an den Autos verändert werden, wie zum Beispiel die größeren Tanks oder die schmaleren Vorderreifen. Das große Gewicht wird die Balance der Boliden sehr verändern, ins besondere zum Rennstart, und spannend wird es zu beobachten, welche Fahrer mit dieser neuen Schwierigkeit am besten auskommen.
Aufgrund des größeren Starterfeldes gibt es auch kleine Veränderungen in der Qualifikation: In den ersten beiden Abschnitten Q1 und Q2 scheiden jetzt mehr Fahrer aus.
Aus denselben Grund erfährt auch das Punktesystem eine, wenn auch sehr umstrittene und mehrfach hin und her modifizierte, Reformation. Statt der bisherigen 10-8-6-5-4-3-2-1 Punktevergabe für die ersten acht Plätze erhalten 2010 die ersten zehn Piloten nach dem neuen Punktesystem 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1 Zähler im einen GP.
Neue Strecke
Die Saison 2010 wird in der Wüste sowohl anfangen als auch beginnen. Das erste Rennen findet zum ersten Mal nicht in Australien, sondern in Bahrain statt, und das letzte in Abu Dhabi. Im Juni wird die Formel 1 wieder in Kanada Station machen und mit dem GP von Yeongum wird eine nagelneue Rennstrecke in Südkorea eingeweiht.
Es gibt also vieles, auf das sich der Formel-1-Fan freuen kann. Und es gibt viele Fragen, auf die er eine Antwort suchen wird. Was wird der neue Formel-1-Präsident und Ex-Michael-Schumacher-Boss anders als sein Vorgänger, Max Mosley, machen? Ist er dem Posten „gewachsen“? Wird das neue Punktesystem funktionieren oder wird es am Ende der Saison wieder Regeländerungen geben? Wird es Jenson wieder schaffen und den zweiten Titel holen? Oder doch der Lewis? Oder Alonso im Ferrari? Wer wird den überhaupt der neue Weltmeister? Die Frage aller Fragen, die nur auf einem Wege beantworten werden kann: Lasset die Spiele beginnen!

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