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Montag, 29. März 2010

Australien GP: Thriller im Albert-Park

Es sollte halt nicht werden. Es sollte halt wieder ein anderer gewinnen. Gut möglich, dass so ähnlich die Gedanken von Sebastian Vettel „ausgesehen“ haben, nach dem er in Melbourne wieder von der Pole gestartet ist, ein Favorit für den Sieg war und … ihn wieder das Auto im Stich gelassen hat, genau wie in der vergangenen Woche in Bahrain. Heute war es ein Bremsdefekt. Der überraschende Sieger hieß am Ende Jenson Button, der schon im Jahr zuvor den Australien GP gewonnen und die Grundlage für seinen Weltmeistertitel gelegt hatte. Noch überraschender war Robert Kubicas zweiter Platz, der ein sehr gutes Rennen fuhr und seine Trophäe vom John Travolta überreicht bekam.
 Jenson Button vor dem Rennen ...
Alles im allem war es ein Thriller. Anders kann man das Rennen im Albert-Park nicht beschreiben. Und all die, die nach dem GP von Bahrain plädierten, dass die Formel 1 langweilig geworden sei und die Regeln nichts taugen (nach einem Rennen!!), haben heute die Bestätigung bekommen, dass Langeweile etwas Anderes ist! Regeln hier oder her, es wird immer interessante Rennen und langwellige Rennen geben. Im Fußball ist auch nicht jedes Spiel super-mega-hammer-ultra-spannend, oder? Und doch verändert man die Regeln nicht sofort. So ist der Sport, so ist das Leben: mal so, mal so. Nichtsdestotrotz, der heutige Große Preis von Australien hat das vergangene Wochenende mehr als wettgemacht.
„Es war eins der besten Rennen“, sagte Niki Lauda in die RTL-Kameras. Und der muss es ja wissen!

Die Qualifikation
Wie hat er den gestern gestrahlt und gegrinst! Nach der zweiten Pole der Saison war Sebastian Vettel so zufrieden und glücklich, dass er nur noch grinsen konnte. Und man kann es ihm kaum verübeln. Nach dem Pech in Bahrain und der wieder konstanten Leistung gönnt man dem jungen Heppenheimer den Sieg. Und die Pole Position sollte der Polster sein …
Doch kam der erste Platz wieder teilweise überraschend, denn schon wieder war es Fernando Alonso der die Sessions Q1 und Q2 dominierte und eigentlich der heißeste Poleanwerter war. Aber, wie schon so oft, hat es in der Q3 nicht gereicht. Es ist immer wieder das Gleiche bei dem Spanier: Q1 und Q2 top, in Q3 ein Flop. Ganz tragisch war es nicht, aber die P1 müsste eigentlich drin sein …
"Platz 3 ist ein gutes Ergebnis", sagte Alonso. "Auf einer Runde sind wir recht dicht dran, aber das Rennen ist lang." Neben Alonso ging Jenson Button ins Rennen. Die dritte Startreihe belegten Felipe Massa und der beste Mercedes GP-Pilot Nico Rosberg. Michael Schumacher startete neben seinem alten Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello von Platz 7. Die Top-10 komplettieren Robert Kubica und Adrian Sutil. Der Force India Pilot fuhr nur einen einzigen Run, hatte darauf aber ein Problem, weshalb er nicht weiter nach vorne kam. Mein persönliches WOW. Sein Auto und die der anderen blieben ganz … Lewis Hamilton kam nicht über Platz 11 hinaus und startete somit das Rennen aus der sechsten Reihe - neben dem Schweizer Sebastien Buemi im Toro Rosso.
Aus deutscher Sicht scheiterte Nico Hülkenberg als 15. an der letzten Quali-Hürde. Neben den sechs Fahrern der neuen Teams schied Vitaly Petrov im zweiten Renault aus. Den Kampf der Neulinge entschied erneut Lotus für sich. Diesmal hatte Heikki Kovalainen die Oberhand gegen Jarno Trulli, der nicht Mal in die Q2 kam.
Bei Virgin setzte sich Timo Glock gegen Lucas di Grassi durch. Die letzten beiden Plätze belegte HRT, wobei Bruno Senna um ein Zehntel schneller war als Karun Chandhok. Beide lagen jedoch nur vier respektive fünf Zehntel hinter di Grassi im Virgin. Zudem konnte Virgin nicht mit leeren Tanks fahren, musste zehn Kilo mehr tanken, damit der Motor in den Kurven genügend Sprit erhielt. Ein Getriebewechsel bei Glock hat ihn zusätzlich fünf Startplätze gekostet. Alles im allem: Es läuft noch nichts - aber wirklich nichts - bei Virgin. 

Das Rennen.
Frühes Aufstehen am Sonntagmorgen wurde mehr als belohnt. Es war Action pur. Und nicht wegen John Travoltas Einsatz als Fahne-Schwinger, sondern dem tollen Rennen wegen, in dem, mehr oder weniger, das Wetter die Regie führte. Es war spannend, es war dramatisch, es war schön; es war Überholen (Mark Webber vs. Lewis Hamilton), es waren Duelle (Schumacher vs. Alquersuari) … Kurz: Es war Racing pur.
Am Ende war es John Button, der wieder am breitesten gelächelt und stolz seinen Sohn umarmt hat. Denn nach den 58 aufregenden Runden ging der Sieg überraschend an den Vierten der Startaufstellung, Jenson Button. Entscheidend war für ihn letztendlich ein früh absolvierter Reifenwechsel von Intermediates auf Slicks, der erst nach einem Fehlgriff aussah, sich letztendlich aber als goldrichtig herausstellte.
Zweiter wurde sensationell Renault-Pilot Robert Kubica, der ein fehlerfreies Rennen fuhr und die höher eingeschätzten Ferrari-Stars Felipe Massa und Fernando Alonso hinter sich lassen konnte. Fernando Alonso fuhr ein klasse Rennen. Bereits in der ersten Kurve musste er nach einer Kollision die Plätze liegen lassen und das Rennen schien schon zu Ende zu sein … Doch dann krachte Kamui Kobayashi gegen Nico Hülkenberg und der Safety Car musste raus. Nach dem Restart ging es Schlag auf Schlag und Überholmanöver auf Überholmanöver weiter. Den besten Durchblick hatte bei langsam abtrocknender Strecke offenbar die McLaren-Crew, denn die holte Button schon in der sechsten Runde rein, um auf Slicks zu wechseln - eine Fehlentscheidung, wie man zunächst vermuten musste: Der Brite kam auf rutschigem Asphalt sofort von der Strecke ab, nachdem zuvor der Boxenstopp selbst schon um vier Sekunden zu lange gedauert hatte.
Die Safety-Car-Phase half Alonso, wieder den Anschluss herzustellen und er startete eine sensationelle Aufholjagd vom Platz 22. Am Ende reichte es für P4, aber war musste der man schwitzen!! Vor allem in den letzten paar Runden musste er sich sicherlich fühlen, wie ein von den Füchsen gejagter Hase! Die Verfolger waren nur einen Hauch vom Heck des Spaniers entfernt, die Reifen waren schon alles andere als gut, die anderen holten auf, die Zeit tickte … als Hamilton in seinem Rückspiegel immer größer wurde und Renningenieur Andrea Stella ständig den Abstand durchgab. "Ich will das gar nicht wissen!", konterte der Spanier. Zu einem Überholversuch gegen Massa reichte es aber nicht mehr. Am Ende war es nur, oder „nur“, wie man es halt betrachtet, P4.12 Punkte. Gerade so am Podium vorbei aber doch ein Grund, um ein wenig stolz zu sein. Kein Fehlerfreies, aber doch ein gutes Rennen des Ferrari-Piloten.
Der große Pechvogel des Tages hieß zweifellos, schon wieder, Sebastian Vettel. Der Deutsche schien einem sicheren Sieg entgegenzufahren, als er erneut von der Technik im Stich gelassen wurde und wegen eines Bremsdefekts im Kiesbett landete.
Kubica konnte den Poker mit einem zusätzlichen Boxenstopp schon eher nachvollziehen, denn auch wenn er es sich nach außen nicht anmerken ließ, hatte der bärenstarke Pole mit seinen verschlissenen Pneus alle Hände voll zu tun. Es war ein gutes Rennen für Renault und ein verdienter zweiter Platz.
Respekt für Massa, der zum zweiten Mal seit seiner Rückkehr in die Formel 1 auf das Podium fuhr. Er hat es souverän und beinahe fehlerfrei gemeistert.
Ein unauffälliges, aber fehlerfreies Rennen fuhr Vitantonio Liuzzi, der Force India somit auch im zweiten Grand Prix des Jahres ein zählbares Ergebnis bescherte. Der Italiener wurde vor Rubens Barrichello, Webber und Schumacher Siebter. Pedro de la Rosa lag über weite Strecken in den Punkterängen, ließ sich aber im Finish mit Reifenproblemen noch von Alguersuari und Schumacher überrumpeln. Der junge Spanier, der erst vor wenigen Tagen 22 geworden ist, ist für mich definitiv MOTR (Man of the Race). Wie mutig und souverän er sich mit dem siebenmaligen Weltmeister duellierte … Fantastisch. Am Ende hat der Altmeister aber doch die Nase vorn und Jaime belegte den elften Platz.
Insgesamt sahen 14 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge; den Grand Prix der neuen Teams gewann diesmal Lotus-Pilot Heikki Kovalainen vor Karun Chandhok (HRT). Rückstand auf die Spitze: zwei beziehungsweise fünf Runden. Timo Glock und Lucas di Grassi konnten nach ihrem Start aus der Boxengasse lediglich ein bisschen testen, während Jarno Trulli wegen einer kaputten Hydraulikpumpe nicht einmal bis zum Start kam.
Adrian Sutil musste sein Auto ebenfalls wegen Motorprobleme vorzeitig abstellen. Eigentlich nichts Neues, aber diesmal war er nicht seine Schuld. Wieder ein persönliches WOW.
In der Fahrer-WM führt nach zwei von 19 Läufen Bahrain-Sieger Alonso mit 37 Punkten vor Massa (33), Button (31), Hamilton (23) und Rosberg (20); Vettel (12) und Schumacher (9) folgen auf den Positionen sieben und acht. Bei den Konstrukteuren hat ebenfalls Ferrari (70) die Nase vorne, gefolgt von McLaren (54) und Mercedes (29).
Aus deutscher Sicht war das Rennen ziemlich schlecht, aus meiner: ziemlich gut! 


Der Sieger. 
Viele empfanden den Schritt als mutig, als Jenson Button als Weltmeister von Brawn GP kommend sich der Herausforderung bei McLaren-Mercedes stellte. Und in der Tat war es bisher Teamkollege Lewis Hamilton, der im McLaren zumeist die schnelleren Runden drehte. Doch in Melbourne hat Jenson dem jüngeren Koleggen und Landsmann - Glück hin oder her - hinter sich gelassen. Somit bewies der Brite, dass er mit einem guten Auto, egal welcher Marke, immer siegen kann. Klare Ansage für Lewis: Zieh dich warm an! Und klare Ansage an all seine Kritiker, die meinten, dass Button nur deswegen Weltmeister geworden ist, weil er ein überlegenes Auto hatte. Gibt es jetzt noch Fragen oder Zweifel, meine Herren? Hamilton klagte nach dem Rennen, dass sein Team falsche Strategie für ihn wählte (Jenson kam nur ein Mal in die Boxengasse, während Lewis auf Zwei-Stop-Strategie unterwegs war). Jetzt kann er sich langsam anfangen vorzustellen, wie fehl am Platz und benachteiligt Fernando Alonso während seiner Zeit bei McLaren sich doch füllen musste, oder? Damals war es nicht nur eine einmalige Geschichte, sondern eine, die sich durch die ganze Saison wie ein zähes Kaugummi zog. Und die Benachteiligung Alonsos war am Ende so offensichtlich, dass sogar ein Blinder sie sehen konnte. Es ist nicht schön, Lewis, oder? 
 ... und danach, als strahlender Sieger ...
... und Champagner-Duscher.
Wer immer noch denkt, dass die Saison langweilig wird und dass es sich nicht mehr lohnt, die Formel 1 zu schauen, der soll dann ruhig wegschalten. Und eine tolle Saison verpassen! Das steht schon jetzt fest. Auch wenn es auf der Strecke ab und zu mal ein wenig langweilig sein sollte, die teaminternen Duelle werden die Spannung aufrecht halten. Die Ära, wo nur ein oder zwei Fahrer das Feld dominierten, und eigentlich schon nach dem Qualifying klar war, wer gewinnt, sind vorbei. Diese Jungs, die 2010 um die WM-Krone kämpfen sind erstklassige Fahrer (mit wenigen Ausnahmen…) und diesjährige Saison wir eine großartige. Nicht wegen Michael Schumachers Rückkehr, sondern weil es so viele gute Fahrer und gute Autos gibt. So viel Qualität – mit ganzen vier Weltmeistern – steht für sich.
„It is just the start“, knackte es im Jenson Buttons Funk, nachdem er die Zielflagge als Erster sah. Und wie es stimmt! Die Frage ist nur, für wen?
Bereits in einer Woche geht es mit dem Grand Prix von Malaysia in Kuala Lumpur weiter. Danach sind wird wieder etwas schlauer. 

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